Advent, Advent, 1 Monat weihnachtliche Laufzeit geschenkt.

Nicht bis zur Bescherung warten, Aktion nur gültig bis zum 18.12.2016!

Tragödie, Komödie und Tragikomödie

Das Drama als Oberbegriff für Bühnenwerke aller Art hat seinen Ursprung in der Antike. Damals teilte es der griechische Philosoph Aristoteles (384–322 v. Chr.) in die beiden Gattungen Tragödie und Komödie ein. Beide unterscheiden sich nach Art des dargestellten Konflikts: In der Tragödie steht der edle Held einem ausweglosen Konflikt gegenüber, der in einer Katastrophe, also einem tragischen Ende mündet (Sophokles: Antigone; 442 v. Chr.). Die Komödie konfrontiert den Helden niederen Standes ebenfalls mit einem Konflikt, der allerdings komischer Natur ist und einen glücklichen Ausgang hat (Heinrich von Kleist: Der zerbrochene Krug; 1808). Als dritte Gattung kam die Tragikomödie hinzu, die tragische und komische Elemente vereint (Friedrich Dürrenmatt: Der Besuch der alten Dame; 1956).

Dramenformen – Tragödie und Komödie Abbildung: Theatermasken Tragödie und Komödie

Die klassische Einteilung in diese drei Gattungen wurde ab dem 18. Jahrhundert durch verschiedene Mischformen aufgebrochen. So entstand zum Beispiel das Schauspiel, das ebenfalls Merkmale der Tragödie und Komödie besitzt, oder das von Gotthold Ephraim Lessing geprägte Bürgerliche Trauerspiel, das einen bürgerlichen Helden einem eher privaten Konflikt aussetzt (Gotthold Ephraim Lessing: Emilia Galotti; 1772).

Geschlossenes und offenes Drama

Gab es zu Zeiten Aristoteles feste Vorgaben für den Aufbau eines Dramas, haben sich diese strengen Formen mittlerweile aufgelöst. Stellt man seinen Dramenentwurf dem modernen Theater gegenüber, so lassen sich die beiden Ausprägungen in das Drama der geschlossenen Form und in das Drama der offenen Form einteilen.

Dem geschlossenen Drama, auch klassisches oder aristotelisches Drama genannt, liegt die Einheit von Ort, Zeit und Handlung zugrunde: Es gibt keinen Schauplatzwechsel, die Handlungszeit beschränkt sich auf maximal einen Tag und die Handlung verläuft zusammenhängend und in sich geschlossen, also ohne großangelegte Nebenhandlungen. Die sogenannte Ständeklausel fordert, dass nur Handelnde hohen Standes wie Könige oder Götter auftreten dürfen. Die Figuren drücken sich in einem gehobenen Sprachstil aus. Das geschlossene Drama besteht in der Regel aus fünf Akten: der Exposition, der Steigerung, die die Handlung entwickelt, dem Höhepunkt (Peripetie), der Verzögerung mit fallender Handlung und der Katastrophe.

Das offene Drama bricht die strenge Ordnung des Bauschemas auf. Statt der Einheit von Ort, Zeit und Handlung zeigt es wechselnde Schauplätze, Zeitsprünge und Parallelhandlungen. Die Handlung entwickelt sich oftmals in bruchstückhaften Einzelsequenzen über eine Vielzahl von Figuren jedes Standes. Die Sprache variiert zwischen gehobener Sprache, Alltagssprache und Dialekt.

Formen des modernen Theaters

Im 20. Jahrhundert entwickelten sich verschiedene Ausprägungen des offenen Dramas, die dem Zuschauer neue Sichtweisen eröffnen sollten. So begründete zum Beispiel Bertolt Brecht 1929 das epische Theater, das durch den Einsatz von Verfremdungseffekten wie Filme, Plakate, Lieder oder dem Heraustreten der Schauspieler aus ihrer Rolle eine kritische Distanz zwischen Zuschauer und Bühnengeschehen erzeugen wollte. Brecht beabsichtigte mit seinen „Lehrstücken“ (Der kaukasische Kreidekreis; 1944/45) aus einzelnen Szenen und Bildern eine Identifikation des Zuschauers mit den Figuren zu verhindern. Sie sollten stattdessen über das offene Ende hinaus das Gesehene kritisch reflektieren.

Das in den 1950er und 1960er Jahren entstandene absurde Theater (Samuel Beckett: Warten auf Godot; 1953) stellt das menschliche Leben als sinnentleert dar. Die Handlung ist meist zusammenhanglos und ohne Spannung, Ort und Zeit bleiben unbestimmt. Die unvollständige Sprache zeigt, dass eine echte Kommunikation nicht mehr möglich ist.

Ebenfalls in den 1960er Jahren bildete sich eine neue Theaterform heraus, die sich an bekannten Fakten orientierte und Dokumente als Textgrundlage nutzte. Das dokumentarische Theater (Peter Weiss: Die Ermittlung; 1965) forderte das Publikum durch die Einbindung von Reden, Fotografien und Filmen auf, sich mit der eigenen Geschichte auseinanderzusetzen.

Videos in diesem Thema

Dramenformen – Überblick

Dramenformen – Überblick

Hallo. Drama ist der Oberbegriff für Bühnenwerke, die z.B. nach der Art des Konflikts in Tragödie, Komödie, Schauspiel oder Tragikomödie unterteilt werden. In diesem…

Aristotelisches Drama

Aristotelisches Drama

Es gab immer wieder Versuche festzulegen, wie ein Theaterstück geschrieben werden muss. In diesem Video beschäftigen wir uns mit dem ersten dieser Versuche, nämlich dem…

Nichtaristotelisches Drama

Nichtaristotelisches Drama

In der griechischen Antike entwickelte Aristotles in seiner Poetik das Ideal der Tragödie. Jahrhundertelang hielt man sich an diese Regeln, ja feilte sogar noch an…

geschlossenes und offenes Drama

geschlossenes und offenes Drama

Hallo! In meinem Video geht es um die Dramenformen. Ganz speziell nehmen wir dabei das geschlossene und offene Drama etwas genauer unter die Lupe. Zwischen diesen beiden…

Klassisches Drama

Klassisches Drama

Hallo! In diesem Video geht es um die klassischen Dramen. Eigentlich ist ein Drama nicht an eine bestimmte Epoche gebunden. Wenn ihr aber etwas von einem klassischen…

Das epische Theater – Brechts Erfindung

Das epische Theater – Brechts Erfindung

Ein Erzähler spricht zum Publikum. Ein Chor und Filmprojektionen kommentieren das Bühnengeschehen. Die Szenen sind in ihrer Reihenfolge austauschbar. Das alles gehört…

Episches Theater

Episches Theater

Hallo! Wie geht es dir? In diesem Video geht es um das Epische Theater. Bertolt Brecht erneuerte das klassische aristotelische Drama. Es wäre toll, wenn du schon…

Das Epische Theater

Das Epische Theater

Wie kommt man eigentlich auf ein neues Theaterkonzept? Was genau ist neu und warum interessierte sich Brecht dafür? In diesem Video erkläre ich dir den Begriff des…

Bürgerliches Trauerspiel

Bürgerliches Trauerspiel

In diesem Video geht es um die dramatische Gattung des bürgerlichen Trauerspiels. Ihr werdet etwas über diese Gattung, Aristoteles, Lessing und das Drama erfahren. Zudem…

Handlungs- und Figurendrama

Handlungs- und Figurendrama

In diesem Video lernst du das Handlungsdrama und das Figurendrama kennen. Hierbei handelt es sich um zwei verschiedene Dramenformen. Du wirst sehen, was die Merkmale…

Dokumentartheater

Dokumentartheater

In diesem Video lernst du das Dokumentartheater als eine Dramenform des modernen Theaters kennen. Am Anfang wartet ein kleines Rästel auf dich. Anhand eines…

Stationendrama

Stationendrama

In diesem Video lernst du eine neue Dramenform kennen: das Stationendrama. Ich werde dir die Merkmale eines Stationendramas zeigen. Danach wiederholen wir die Merkmale…

Arbeitsblätter zum Ausdrucken zum Thema Dramenformen

Dramenformen 1 vorschaubild Dramenformen – Überblick Anzeigen Herunterladen
18291 aristotelisches drama.00 06 27 09.standbild070 Aristotelisches Drama Anzeigen Herunterladen
18292 nichtaristotelisches drama.standbild001 Nichtaristotelisches Drama Anzeigen Herunterladen
Nv geschlossenes und offenes Drama Anzeigen Herunterladen
Vorschaubild Klassisches Drama Anzeigen Herunterladen
12594 Das epische Theater – Brechts Erfindung Anzeigen Herunterladen
Titelbild Bürgerliches Trauerspiel Anzeigen Herunterladen
19543 handlungsdrama vs. figurendrama.standbild001 Handlungs- und Figurendrama Anzeigen Herunterladen
19541 dokumentartheater Dokumentartheater Anzeigen Herunterladen