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Verhaltensforschung

Die Verhaltensforschung wird neben der Biologie in einigen anderen Wissenschaften betrieben und erforscht das Verhalten von Tieren und Menschen. Durch die Arbeiten von Naturforschern des 18. und des 19. Jahrhunderts wurde die wissenschaftliche Verhaltensforschung etabliert.

Inhaltsverzeichnis zum Thema

Geschichte der Verhaltensforschung

Die Geschichte der Verhaltensforschung geht weit in die Vergangenheit zurück, denn die Verhaltensforschung ist genauso alt wie der Mensch selbst. Schon unsere Vorfahren nutzten Methoden der Verhaltensforschung, wie beispielsweise Tierbeobachtungen, um ihr Jagdverhalten zu perfektionieren. Als Verhalten bezeichnet man alle Aktionen und Reaktionen von Tieren und Menschen. Hierzu zählen zum Beispiel der Nahrungserwerb, das Brutverhalten oder das Sexualverhalten. Auch in anderen Wissenschaften wie der Psychologie und der Soziologie wird Verhaltensforschung betrieben. Im Fokus der Forschung liegen je nach Wissenschaft unterschiedliche verhaltensbiologische Fragestellungen.

Paarungsverhalten von Schnecken

Die wissenschaftliche Verhaltensforschung wurde im 18. und im 19. Jahrhundert unter anderem von den Wissenschaftlern Charles Darwin, B. F. Skinner und Konrad Lorenz vorangetrieben. Darwin trug mit seiner Forschungsarbeit und seiner Theorie der natürlichen Auslese maßgebend dazu bei, das Verhalten von Tieren aus dem Blickwinkel der Evolution zu betrachten. Iwan Pawlow erforschte mit den Pawlowschen Hunden die Lerntheorie der Klassischen Konditionierung. Diese Theorie basiert auf dem Reiz-Reaktions-Modell, das davon ausgeht, dass ein spezifischer Reiz zu einer Reizantwort führt. Die Ergebnisse dieser Experimente wurden von Watson für die Entwicklung des Behaviorismus-Konzeptes genutzt.

Proximate und ultimate Verhaltensursachen

In der Verhaltensforschung werden die Ursachen von Verhalten in zwei Kategorien unterschieden. Man unterscheidet proximate und ultimate Ursachen. Jedes Verhalten hat sowohl ultimate als auch proximate Ursachen. Als proximate Ursachen werden die aktuellen Ursachen bezeichnet, die die Ausführung eines bestimmten Verhaltens bewirken. Sie beschreiben also die Außenreize. Fragen nach der ultimaten Ursache beziehen sich auf die evolutionäre Bedeutung eines Verhaltens. Ein Beispiel: Viele Tiere, darunter beispielsweise Vögel, brüten im Frühling und Frühsommer. Eine Hypothese für die proximate Ursache dieses Verhaltens ist die zunehmende Tageslänge, die bei Vögeln neuronale und hormonelle Auswirkungen erzielt, die wiederum Verhaltensweisen wie Singen auslösen. Eine Hypothese für die ultimate Ursache ist das ausreichende Nahrungsangebot im Frühling. Der Nachwuchs kann mit genügend Nahrung versorgt werden.

Mechanismen der Verhaltenssteuerung

Eine wichtige Frage, der die Verhaltensforschung schon lange nachgeht, ist die nach angeborenem und erlerntem Verhalten. An genetisch bedingten Verhaltensweisen sind keine Lernvorgänge beteiligt. Die angeborene Verhaltensweise muss aber nicht von Geburt an vorhanden sein. Erlerntes Verhalten ist, wie die Bezeichnung bereits verrät, nicht angeboren. Es bildet sich durch Lernen aus. Tatsächlich lassen sich Verhaltensweisen nicht einfach einer dieser Kategorien zuordnen, da viele angeborene Verhaltensweisen erst durch Lernvorgänge modifiziert werden. Viele Verhaltensweisen wie Balzbewegungen oder das Saugen eines Neugeborenen sind ererbt und werden daher als Erbkoordination bezeichnet. Beispielsweise ist der Tötungsbiss des Raubtieres eine Erbkoordination. Dieser Erbkoordination kann jedoch ein Suchverhalten vorausgehen, wenn das hungrige Raubtier nicht sofort Beute findet. Man unterscheidet hier gerichtetes und ungerichtetes Appetenzverhalten. Das ungerichtete Appetenzverhalten beschreibt das Such- und Orientierungsverhalten nach dem Schlüsselreiz, wohingegen das gerichtete Appetenzverhalten, das auch Taxis genannt wird, die Ausrichtung auf den Schlüsselreiz beschreibt.

Ungerichtetes Appetenzverhalten beim Bären

Viele Verhaltensweisen sind an die gegebenen Bedingungen angepasst und erweisen sich so im Laufe der Evolution als beständig. In der Tierwelt kannst du unterschiedliche Mechanismen erkennen, die das Überleben und den Fortpflanzungserfolg von Individuen sichern. Hierzu zählen Verhaltensweisen wie die Konkurrenz zwischen Artgenossen um überlebenswichtige Ressourcen wie Nahrung und Fortpflanzungspartner. Viele Tiere zeigen aggressives Verhalten, um das eigene Revier zu verteidigen oder sich neue zu erkämpfen. Viel interessanter sind jedoch uneigennützige Verhaltensweisen in sozialen Verbänden. Diese Verhaltensweise wird auch als altruistisches Verhalten oder Altruismus bezeichnet und ist zum Beispiel bei Ameisen zu beobachten. Der Altruismus beschreibt selbstloses Verhalten zum Vorteil von Artgenossen. Viele Tiere zeigen altruistische Verhaltensweisen, sogar wenn diese den Altruisten schaden.