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Die Milz 08:53 min

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Transkript Die Milz

Sei gegrüßt. Schön, dass Du wieder dabei bist. Unser Thema ist die Milz. Das Organ findet im Vergleich zu Herz und Lunge oder der Leber wenig Beachtung, was für mich Anlass ist, Euch darauf aufmerksam zu machen. Als Vorwissen brauchst Du Kenntnisse über das Blut und die Blutzellen, Bauchspeicheldrüse, Leber und Galle. Noch besser ist es, das Lymphgefäßsystem zu kennen. Meine Ziele sind, Euch die Lage der Milz zu zeigen, den Bau und die Aufgaben zu erklären und kurz auf ihre Erkrankungen einzugehen, sodass man die Bedeutung des Organs erfassen kann. Die Milz sitzt hinter dem Schwanz der Bauchspeicheldrüse und unter dem Zwerchfell im linken Oberbauch. Sie ist über der Niere entlang des zehnten Rippenbogens zu finden. Die Skizze soll es verdeutlichen. Die Milz schmiegt sich an Magen und Niere an. Das Organ ist etwa 150 Gramm schwer und es ist durchschnittlich elf Zentimeter lang, sieben Zentimeter breit und bis zu vier Zentimeter dick. Gewicht und Größe des Organs hängen stark vom Durchblutungszustand und den Immunreaktionen des menschlichen Körpers ab. Die Milz ist von einer bindegewebigen Kapsel umgeben, die dem weichen roten Gewebe Stabilität und Schutz bietet. Sie wird immer sehr gut mit Blut versorgt. Täglich fließt es 500 mal über die große Milzarterie hinein und gelangt dann über die Milzvene zu Leber. An dem, was ich sagte, merkt man, dass die Milz in den Blutkreislauf eingeschaltet ist. Sie ist eine Art Filter. Sehen wir in die Milz hinein. Das stark durchblutete Gewebe ist die rote Pulpa. Sie gehört zum Immunsystem des Menschen. Arteriolen durchziehen die rote Pulpa. Um die Arteriolen entdeckt man abschnittweise helle Bereiche, die die weiße Pulpa bilden. Sie gehört zum Lymphsystem des Menschen, da ihr lymphatisches Gewebe Immunzellen beherbergt und auch selbst Immunzellen erzeugt. Bei starken Immunreaktionen können die Gewebe anwachsen und die Milz kann doppelt so groß werden. Erwähnen möchte ich noch, dass etwa ein Fünftel aller Menschen kleinere Nebenmilzen hat, die den gleichen Aufbau wie die Hauptmilz haben. Die Aufgaben der Milz sind noch nicht alle geklärt. Ich will einige nennen, die sicher bekannt sind. Sie speichert einen großen Anteil von Zellen aus denen die Thrombozyten, die Blutplättchen, hervorgehen. Und sie nimmt etwa 30 Prozent der Lymphozyten auf, über die der Körper verfügt. Somit ist sie ein Sammelplatz. Bei Bedarf gibt die Milz die weißen Blutkörperchen, die Leukozyten, ins Blut ab. Die Milz stellt selbst Leukozyten, die Makrophagen, in der weißen Pulpa her. Sie produziert Abwehrzellen. Weiterhin werden in der Milz kleine Blutgerinnsel, Krankheitserreger und Antigene - das sind, einfach gesagt, störende Partikel - beseitigt oder ausgesondert. Auf diese Weise erfüllt die Milz ihre Filterfunktion. Und sie ist an der ständigen Erneuerung der Blutzellen beteiligt. Die Computerbildaufnahme zeigt uns die Zellen koloriert und die verästelten Thrombozyten können wir jetzt besser erkennen. Erythrozyten, die mehr als 120 Tage alt sind, werden ausgesondert und abgebaut. Das Häm, eine eisenhaltige Grundsubstanz, gelangt zum roten Knochenmark zurück, wo neue rote Blutzellen mit neuem Hämoglobin entstehen. Am Abbau und am Transport alter roter Blutzellen sind Makrophagen beteiligt. Auf diese Weise erfolgt eine Blutzellen-Auslese, die als Mauserung bezeichnet wird. Erwähnen will ich noch eine letzte Aufgabe der Milz. Die Knochen vom Fetus, des Säuglings und des Kleinkindes bestehen zum großen Teil aus Knorpeln und das rote Knochenmark wächst dann später mit der Knochensubstanz heran. Bis zum sechsten Lebensjahr übernimmt die Milz die Blutzellenbildung für das Knochenmark. Von den Erkrankungen möchte ich nur einige erwähnen. Eigentlich erkrankt die Milz relativ selten und man kann auch ohne das Organ leben, wenn andere Organe - hauptsächlich die Leber - ihre Aufgaben übernehmen. Man muss dafür aber eine Schwächung des Immunsystems in Kauf nehmen. Sie ist also nicht überlebenswichtig und eine erkrankte Milz kann man entfernen, wenn die entsprechende Nachsorge betrieben wird. Anders ist es aber bei Milzverletzungen. Die muss man sehr ernst nehmen, denn das Organ wird stark durchblutet. Rippenbrüche mit innerem Milzriss oder Milzruptur, dabei reißt die schützende Kapsel mit auf, können tödlich verlaufen. Schnelle medizinische Hilfe ist erforderlich, um nicht innerlich zu verbluten. Sollte der Patient gerettet werden, besteht immer das Risiko an einem Folgeinfekt zu versterben, da das Immunsystem versagen kann. Eine Milzvergrößerung ist ein medizinischer Befund. Sie kann von Infektionskrankheiten durch Viren, Bakterien und Parasiten ausgelöst werden. Hier ist der einzellige, begeißelte Erreger der Schlafkrankheit, die in den heißen Klimaten der Erde auftritt, abgebildet. Ein Blutstau wird in der Regel durch Lebererkrankungen ausgelöst, weil das Blut nicht hinreichend über die Leber abfließen kann. Selten ist ein übermäßiger Blutzellenabbau durch die Milz. Es ist eine Fehlfunktion, die Blutarmut verursacht. Blutkrebs und andere Krebsarten können ebenso zur Milzvergrößerung beitragen. Metastasen, das sind Tochtergeschwülste, siedeln sich dann in der weißen Pulpa an. Veränderungen und Vergrößerungen der Milz kann der Arzt ertasten und er sieht sie gut in Ultraschallbildern. Blutuntersuchungen geben weitere Auskunft für die Diagnose. Ich hoffe, es gelang mir, Dein Interesse zu wecken und Dich auf die Bedeutung des Organs aufmerksam zu machen. Sicherlich war es heute wieder mehr als nur eine Nachhilfe. Sofern es Dir gefallen hat, sage ich gern Tschüss, bis zum nächsten Mal. Dein Octavus.