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Absolutismus 1648-1789 09:05 min

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Transkript Absolutismus 1648-1789

Hallo liebe Freunde und willkommen bei einer neuen Folge von Käpt'n Geschi. Heute erzähle ich euch vom Absolutismus, der in der Zeit von 1648, dem Ende des Dreißigjährigen Kriegs, bis zur Französischen Revolution die Herrschaftsform der meisten europäischen Länder war. Nach diesem Video wisst ihr, was unter dem Begriff Absolutismus verstanden wird. Ich erzähle euch von seinem bedeutendsten Vertreter, Ludwig XIV, und seinem Herrschaftsverständnis. Außerdem erkläre ich euch die Grundzüge der maßgeblichen Wirtschaftspolitik der absolutistisch geführten Staaten, dem Merkantilismus. Am Besten wäre es, wenn ihr bereits etwas über Stände wisst, und über die verschiedenen Glaubens- und Bürgerkriege seit der Reformation. Aber erst mal zur Definition des Absolutismus. Zwischen 1648 und der Französischen Revolution von 1789 war der Absolutismus die Herrschaftsform der Länder, deren Fürsten sich von dem Einfluss der 3 Stände, also dem weltlichen Adel, dem geistlichen Adel und dem Bauer- und Bürgerstand, lösen konnten. Der absolutistische Herrscher hatte die oberste und alleinige Gewalt. Er war in seinen Entscheidungen völlig frei und lediglich an Gott, beziehungsweise an seinem Verständnis von Recht und Gerechtigkeit, gebunden. Und jetzt möchte ich euch kurz erzählen, wie es kam, dass sich die Fürsten von der Mitbestimmung der 3 Stände gelöst haben. Im 16. Jahrhundert und in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts erschütterten Glaubens- und Bürgerkriege, unter denen die Bevölkerung sehr zu leiden hatte, fast alle Staaten Europas. Diese Unruhen lösten die Frage aus, wer die Macht haben sollte, die Fürsten oder die Stände. Unter den Eindrücken dieser sozialen und politischen Unruhen dachten sich die Philosophen Niccolo Machiavelli, Jean Bodin und Thomas Hobbes, dass allein ein starker Souverän, der alle Macht in seiner Hand vereinigte, Einheit, Stabilität und Frieden garantieren könne. Da in dieser Zeit die herrschenden Fürsten und die Stände um die Macht im Staat kämpften, gefielen derartige Gedanken natürlich den Fürsten. Nach und nach beschnitten die Herrscher die Rechte und Privilegien der Stände. Sie beriefen die Ständeversammlungen immer seltener ein und unterdrückten deren Machtansprüche mithilfe des stehenden Heeres, das aus Berufssoldaten bestand und dem Herrscher treu ergeben war. Diese Politik setzten in Frankreich die königlichen Premierminister Mazarin und Richelieu zwischen 1624 und 1661 durch. Richelieus Grundsatz lautete: Die Herrschaft soll bei einem, der Gehorsam bei Allen sein. Mazarin und Richelieu ebneten der absolutistischen Herrschaft Ludwigs XIV. den Weg. Von 1661 bis 1715, das sind immerhin 54 Jahre, herrschte Ludwig XIV. über Frankreich. Die Herrschaftsform von Ludwig XIV. wird allgemein als Modell des Absolutismus angesehen. Warum? Weil die absolutistische Herrschaftsform von Ludwig XIV. perfektioniert, und dann von anderen Herrschern nachgeahmt wurde. Ludwig XIV. sah sich als Herrscher von Gottes Gnaden und Verkörperung des Staates. Sein Motto war deshalb: l'état, c'est moi. Er stand als unumschränkter Herrscher im Zentrum. Er sah sich auch als Sonnenkönig, "le roi soleil", und verglich seine Rolle im Staat mit der Aufgabe der Sonne im Weltall. Er stand im Zentrum und ohne ihn konnte und durfte nichts geschehen. Als Symbol seiner Herrschaftsauffassung ließ Ludwig XIV. von circa 35000 Arbeitern innerhalb von 20 Jahren das riesige und äußerst prunkvolle Schloss von Versailles in der Nähe von Paris erbauen. Versailles war das politische und höfische Zentrum Frankreichs. Wer Zugang zum königlichen Hof in Versailles hatte, galt als sehr privilegiert. Ludwig XIV. band den Adel durch Ehrenämter an den königlichen Hof und entmachtete ihn dadurch völlig. Kommen wir jetzt zu den anderen wichtigen Merkmalen des absolutistischen Herrschaftssystems. Ludwig XIV. führte als erster Herrscher eine zentral gelenkte Wirtschaftspolitik ein, den Merkantilismus. Der Zweck dieser Wirtschaftspolitik war, möglichst große Geldmittel für den Herrscher, den Hof, das Militär und die Verwaltung zu erzielen. Zu diesem Zwecke wurden aus dem Ausland billige Rohstoffe eingeführt und in großen Betrieben, den sogenannten Manufakturen, wurden aus diesen Rohstoffen hochwertige Güter, wie zum Beispiel Seide, Porzellan, Spiegel, Papier, elegante Kleidung und Kutschen oder kostbare Teppiche, hergestellt, und teuer ins Ausland verkauft. Um den Handel zu fördern, weitete Ludwig XIV. seine Kolonialpolitik aus, vor allem in Nordamerika, und begünstigte die Gründung von Handelsgesellschaften, die den Warenaustausch mit anderen Ländern organisierten. Er baute eine staatliche Handelsflotte auf, errichtete neue Häfen und ließ Straßen und Kanäle anlegen. Um die Macht des Adels zu brechen, errichtete Ludwig XIV. einen Beamtenstaat. Er ließ sich von Ministern beraten, die Fachleute waren und er bestellte Intendanten, die die Amtsbezirke, die Départements, in seinem Sinne verwalteten. Und Ludwig XIV. wollte nicht nur in seinem Land unangefochtener Herrscher sein, er wollte auch noch, dass Frankreich eine Vormachtstellung in Kontinentaleuropa erlangt. Kriege zu führen sah er als Mittel dieser Politik an. Deshalb vergrößerte er das stehende Heer, das ständig einsatzbereit war. Er modernisierte es und verbesserte die militärische Ausbildung. Zunächst war diese kriegerische Art von Außenpolitik erfolgreich. Frankreich wurde zum mächtigsten Staat in Kontinentaleuropa. Als sich aber ab 1701 eine große Allianz, unter anderem aus England, Holland und den meisten deutschen Fürstentümern, gegen Frankreichs Armee stemmte, war es vorbei mit Ludwigs militärischen Erfolgen. Durch die teuren Kriege und die kostspielige Hofhaltung am Schloss Versailles war Frankreich 1715, als Ludwig XIV. starb, finanziell erschöpft, also mehr oder weniger pleite. Auf dem Sterbebett bekannte Ludwig XIV.: "Das nichts mein Herz und meine Seele tiefer gerührt hat als die Erkenntnis des völligen Ausblutens der Völker meines Reichs durch die unermessliche Steuerlast." Fassen wir jetzt am Ende noch einmal alles zusammen. Im Absolutismus hat sich der Herrscher von der Mitbestimmung der Stände losgelöst. Er herrscht alleine und unangefochten. Im Absolutismus wurde ein zentral geführter, moderner Beamtenstaat geschaffen. Erstmals wurde eine einheitliche, staatliche Wirtschaftspolitik eingeführt, der Merkantilismus. Der Adel wurde im Absolutismus entmachtet und an den Hof gebunden. Und im Absolutismus errichteten die Könige eigene stehende Heere. So sicherten sie ihr Gewaltmonopol und konnten Kriege führen. So Leute, jetzt wisst ihr Bescheid und bis zum nächsten Mal, haltet die Ohren steif. Euer Käpt'n Geschi.