Wolkenkratzer, Suburbs und Favelas: Wie leben die Menschen in Nord- und Südamerika?
- Städte in den USA, Kanada und Lateinamerika – Downtown, Suburbs und informelle Siedlungen
- Amerikas Städte
- Die nordamerikanische Stadt
- Die lateinamerikanische Stadt
- Zwei Stadtmodelle im Vergleich
- Soziale Grenzen mitten in der Stadt
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Lerntext zum Thema Wolkenkratzer, Suburbs und Favelas: Wie leben die Menschen in Nord- und Südamerika?
Städte in den USA, Kanada und Lateinamerika – Downtown, Suburbs und informelle Siedlungen
Wenn eine Serie in den USA spielt, erkennst du das meist schnell: gläserne Hochhaustürme oder eine ruhige Straße mit Einfamilienhäusern, Rasen und gelbem Schulbus. Spielt die Geschichte in Brasilien, tauchen oft dicht gedrängte, selbstgebaute Häuser an einem Steilhang auf. Alle drei Bilder zeigen echte Stadtteile – und werfen Fragen auf. Warum stehen die Türme genau dort? Warum wohnen in Nordamerika so viele Familien weit außerhalb des Zentrums? Und wie entstehen Viertel, die niemand geplant hat? In diesem Text lernst du die typischen Bauformen amerikanischer Städte kennen.
Amerikas Städte
In den USA leben rund 80 %, in Kanada rund 83 % und in Lateinamerika und der Karibik rund 81 % der Bevölkerung in urbanen Räumen. Sie gehören damit zu den am stärksten städtisch geprägten Regionen der Erde – Lateinamerika liegt sogar über dem europäischen Durchschnitt.
Als Verstädterung bezeichnet man die Zunahme des Anteils der Stadtbevölkerung an der Gesamtbevölkerung eines Raums. Dieser Anteil in Prozent heißt Verstädterungsgrad.
Entscheidend ist das Tempo. São Paulo hatte um 1900 rund 240 000 Einwohnende, heute leben im Ballungsraum etwa 22 Millionen Menschen. Solche Ballungsräume mit mindestens zehn Millionen Einwohnenden heißen Megastädte. In Amerika zählen dazu New York, Mexiko-Stadt, São Paulo, Buenos Aires und Los Angeles.
Die nordamerikanische Stadt
Nehmen wir Chicago als Beispiel. Im Zentrum, dem sogenannten Central Business District , drängen sich Bürotürme auf wenigen Quadratkilometern. Weil Grundstücke im Zentrum besonders teuer sind, wird häufig in die Höhe gebaut. Der CBD ist deshalb vor allem ein Arbeits- und Geschäftszentrum.

Die Downtown ist das Geschäftszentrum einer nordamerikanischen Stadt mit Banken, Konzernzentralen, Behörden und Geschäften. Fachsprachlich heißt dieser Bereich CBD (Central Business District).
An den CBD schließt sich ein Übergangsbereich an. Dort treffen unterschiedliche Nutzungen und Bevölkerungsgruppen aufeinander. In einigen Vierteln finden sich ältere und günstigere Wohngebäude, in denen häufiger Menschen mit niedrigem Einkommen leben. Teilweise können sich hier auch sozial benachteiligte Stadtviertel befinden, die im traditionellen Stadtmodell als Slums bezeichnet werden. Gleichzeitig gibt es in nordamerikanischen Städten auch abgeschlossene und bewachte Wohnanlagen, sogenannte Gated Communities, die vor allem von wohlhabenderen Bevölkerungsgruppen bewohnt werden.
Weiter außerhalb geht die Stadt in die Suburbs und das Umland über. Typisch sind große Wohngebiete mit freistehenden Einfamilienhäusern, Gärten und eigenen Einfahrten. Vor allem einkommensstärkere Haushalte zogen seit der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts verstärkt aus der Kernstadt in solche suburbanen Wohngebiete.
Warum im Zentrum so hoch gebaut wird, erklären die Grundstückspreise: Im Zentrum laufen alle Verkehrslinien zusammen, viele Unternehmen wollen dieselbe kleine Fläche, der Preis pro Quadratmeter steigt stark – und wer teuer kauft, nutzt die Fläche aus, also in der Höhe. Wolkenkratzer sind damit eine wirtschaftliche Antwort auf knappen Boden. Eine Folge: Klassische CBDs sind tagsüber besonders stark belebt, weil dort viele Arbeitsplätze liegen. Die Wohnnutzung ist häufig geringer als in angrenzenden Stadtvierteln.
Suburbanisierung bezeichnet die Abwanderung von Bevölkerung, Handel und Arbeitsplätzen aus der Kernstadt in das Umland. Die dort entstehenden Wohngebiete heißen Suburbs.

Ab den 1950er-Jahren nahm der Autobesitz stark zu. Daher entstanden breite Highways, sodass weit entfernte Flächen mit billigem Bauland erreichbar wurden. Wohlhabende und mittlere Einkommensgruppen zogen in Häuser mit Garten hinaus aus der Stadt. Kaufkraft und Steuereinnahmen verließen somit die Kernstadt, Geschäfte schlossen und Gebäude verfielen. In innenstadtnahen Vierteln blieben vor allem Haushalte zurück, die sich den Umzug nicht leisten konnten. Handel und Büros folgten nach außen, an Autobahnkreuzen entstanden Einkaufszentren.
Die lateinamerikanische Stadt
In São Paulo, Lima oder Bogotá findest du ein anderes Muster. Ausgangspunkt ist der koloniale Kern mit rechtwinkligem Raster und zentralem Hauptplatz, direkt daneben ein modernes Hochhauszentrum. Von dort zieht sich entlang einer Hauptachse ein Sektor mit teuren Wohnvierteln, guten Schulen und Einkaufszentren nach außen.

In vielen Randbereichen finden sich einfache Wohngebiete und informell entstandene Siedlungen, teilweise auf schwierig bebaubaren Flächen – bis hin zu Siedlungen, die die Bewohnenden selbst gebaut haben, oft an Steilhängen oder in Überschwemmungsbereichen.
AlsMarginalsiedlungen werden sozial benachteiligte Wohngebiete bezeichnet, die häufig informell entstanden und nur unzureichend an die städtische Infrastruktur angeschlossen sind. . In Brasilien heißen solche Viertel Favela, in Peru Barriada, in Argentinien Villa miseria.

Die Entstehung beginnt auf dem Land: Zu den Push-Faktoren können geringe Einkommen, Landknappheit, fehlende Arbeitsplätze und eine schwache Versorgung auf dem Land gehören. Schulen und medizinische Versorgung wirken dagegen als Pull-Faktoren der Städte. Familien verlieren ihr Einkommen und hoffen auf Arbeit, Schulen und Kliniken in der Stadt, weshalb sie abwandern (Landflucht). Die Stadt wächst schneller, als Wohnungen, Wasser- und Stromleitungen gebaut werden können, weshalb Neuankommende ungünstig gelegene Flächen besetzen und selbst bauen müssen. Kanalisation, Müllabfuhr und gesicherte Eigentumsrechte fehlen zunächst.
Zwei Stadtmodelle im Vergleich
Die folgende Übersicht bündelt die Merkmale. Es handelt sich um Modelle: Sie fassen typische Merkmale zusammen, treffen aber nie exakt auf eine einzelne Stadt zu.
| Merkmal | Nordamerikanische Stadt | Lateinamerikanische Stadt |
|---|---|---|
| Zentrum | Downtown mit Hochhäusern und hoher Arbeitsplatzdichte, wenig Wohnnutzung | Kolonialkern und angrenzendes modernes Geschäftszentrum |
| Stadtentwicklung | starke Ausdehnung ins Umland, Suburbanisierung | starkes Wachstum und räumlich-soziale Differenzierung |
| Wo wohnen Wohlhabende? | überwiegend am Rand in Suburbs | in einem Sektor entlang einer Hauptachse |
| Wo wohnen Ärmere? | häufig in Vierteln nahe der Innenstadt | überwiegend am Stadtrand |
| Verkehr | stark auf das Auto ausgerichtet | Busse und Bahnen wichtig, oft überlastet |
Soziale Grenzen mitten in der Stadt
In beiden Teilen Amerikas liegen sehr unterschiedliche Lebenswelten dicht beieinander. In São Paulo grenzt der Villenstadtteil Morumbi unmittelbar an die Favela Paraisópolis mit rund 100 000 Bewohnenden.
Segregation bezeichnet die räumliche Trennung von Bevölkerungsgruppen innerhalb einer Stadt, etwa nach Einkommen, Herkunft oder Alter.
Diese Trennung wird baulich befestigt: Wohlhabende Familien ziehen in abgeschlossene Wohnanlagen mit Mauer, Schranke und Wachpersonal, sogenannte Gated Communities – bekannt ist zum Beispiel Alphaville bei São Paulo. Angst vor Kriminalität führt zum Rückzug in solche Anlagen, dadurch begegnen sich Bevölkerungsgruppen im Alltag seltener, Misstrauen und Vorurteile wachsen, und das Sicherheitsbedürfnis steigt weiter.
Ausblick – das lernst du nach dem Thema Wolkenkratzer, Suburbs und Favelas: Wie leben die Menschen in Nord- und Südamerika?
Setze dich als Nächstes mit der Besiedlungsgeschichte Nord- und Südamerikas auseinander, um zu verstehen, wie die Städte zum Teil so entstanden sind, wie du sie heute kennst.
Zusammenfassung zum Thema Wolkenkratzer, Suburbs und Favelas: Wie leben die Menschen in Nord- und Südamerika?
- Amerika ist stark städtisch geprägt: Der Verstädterungsgrad liegt in Nordamerika bei etwa 83 %, in Lateinamerika bei etwa 81 %.
- In der nordamerikanischen Stadt bildet die Downtown (CBD) das Geschäftszentrum. Hohe Grundstückspreise führen zu Hochhausbau bei geringer Wohnbevölkerung.
- Suburbanisierung entstand durch Auto und Highwaybau: Wohlhabende zogen an den Rand, die Innenstadt verlor Kaufkraft und Steuereinnahmen.
- In der lateinamerikanischen Stadt liegen Kolonialkern und Hochhauszentrum nebeneinander.
- Marginalsiedlungen wie die Favelas entstehen, wenn eine Stadt durch Landflucht schneller wächst als Wohnungsbau und Versorgungsnetze.
- Segregation trennt Bevölkerungsgruppen räumlich, Gated Communities verstärken diese Trennung baulich.
Häufig gestellte Fragen zum Thema Wolkenkratzer, Suburbs und Favelas: Wie leben die Menschen in Nord- und Südamerika?
Wolkenkratzer, Suburbs und Favelas: Wie leben die Menschen in Nord- und Südamerika? Übung
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Nenne die Aussagen, die auf die Verstädterung in Amerika zutreffen.
TippsDie Angabe, wie viele Menschen insgesamt in einer Stadt wohnen, ist die Einwohnerzahl.
Vier Antworten sind korrekt.
LösungSowohl in Nord- als auch in Lateinamerika ist der Verstädterungsgrad sehr hoch. In den USA und Kanada leben etwa 83 von 100 Menschen in Städten, während es in Lateinamerika rund 81 von 100 sind – das sind mehr als im europäischen Durchschnitt. Dementsprechend ist die Annahme falsch, Lateinamerika sei deutlich weniger städtisch geprägt als Europa. Zudem wachsen viele dieser urbanen Zentren zu sogenannten Megastädten heran. Damit sind Ballungsräume mit mindestens zehn Millionen Einwohnenden gemeint. Ein prägnantes Beispiel hierfür ist São Paulo, das um 1900 rund 240$\,$000 Einwohnende hatte und heute im Ballungsraum etwa 22 Millionen zählt. Entgegen der Vermutung gibt es solche Megastädte in Amerika keineswegs nur in den USA und Kanada, sondern eben auch in Lateinamerika. Falsch ist zudem die Definition des Verstädterungsgrads: Er gibt nicht die Gesamtzahl der Menschen in einer Stadt an, sondern den prozentualen Anteil der Stadtbevölkerung an der Gesamtbevölkerung.
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Erkläre, warum im Zentrum nordamerikanischer Städte so hoch gebaut wird.
TippsCBD steht als Abkürzung für Central Business District.
Lösung„Willkommen im Loop. Sie stehen hier im Geschäftszentrum der Stadt, das man in Nordamerika Downtown nennt – fachsprachlich CBD. Rund um Sie herum finden Sie Banken, Konzernzentralen, Behörden und Geschäfte. Warum ist hier alles so hoch? Ganz einfach: Im Zentrum laufen alle Verkehrslinien zusammen. Viele Unternehmen wollen deshalb dieselbe kleine Fläche und der Preis pro Quadratmeter steigt stark. Wer so teuer kauft, nutzt seine Fläche aus – also in der Höhe. Wolkenkratzer sind damit vor allem eine wirtschaftliche Antwort auf knappen Boden. Übrigens: Kommen Sie abends noch einmal her. Dann ist es hier fast leer, denn hier wohnt kaum jemand.“
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Erkläre die Entstehung einer Marginalsiedlung.
TippsDer erste Schritt hat mit Städten noch gar nichts zu tun. Überlege, warum Menschen ihre Arbeit auf dem Land verlieren.
LösungDie Entstehung einer Marginalsiedlung beginnt auf dem Land: Durch die Mechanisierung der Landwirtschaft übernehmen Maschinen die Arbeit, sodass viele Arbeitskräfte überflüssig werden. Auf der Suche nach Einkommen, Schulen und medizinischer Versorgung wandern zahlreiche Familien vom Land in die Stadt ab. Da die Stadt jedoch viel schneller wächst, als Wohnungen sowie Wasser- und Stromleitungen gebaut werden können, finden die Zugewanderten keinen bezahlbaren Wohnraum. Neuankommende besetzen deshalb ungünstig gelegene Flächen und bauen ihre Unterkünfte selbst. Auf diese Weise entstehen Marginalsiedlungen, in denen grundlegende Einrichtungen wie Kanalisation, Müllabfuhr und gesicherte Eigentumsrechte zunächst vollständig fehlen.
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Ordne die Beobachtungen dem nordamerikanischen oder dem lateinamerikanischen Stadtmodell zu.
TippsHochhäuser allein sagen wenig. Achte darauf, was danebensteht – das ist der Unterschied.
LösungBeobachtungen, die zu beiden Modellen passen (Grün): Sowohl in nordamerikanischen als auch in lateinamerikanischen Metropolen wird das Zentrum durch ein dicht bebautes Hochhausviertel geprägt. Zudem existiert in beiden Räumen eine räumliche Nähe zwischen wohlhabenden und einkommensschwachen Vierteln.
Beobachtungen, die für das nordamerikanische Modell sprechen (Gelb): Für nordamerikanische Städte ist die ausgeprägte Funktionstrennung typisch: Das Geschäftszentrum (CBD) ist nach Feierabend fast menschenleer. Charakteristisch ist zudem das Umland mit Einfamilienhäusern und Rasenflächen sowie eine hohe Abhängigkeit vom Auto bei schwach ausgebautem öffentlichem Nahverkehr. In der inneren Übergangszone rund um das Zentrum befinden sich oft ältere Wohnviertel mit einkommensschwachen Haushalten.
Beobachtungen, die für das lateinamerikanische Modell sprechen (Blau): Das lateinamerikanische Stadtmodell zeichnet sich durch den historischen Stadtkern direkt neben dem modernen Zentrum aus. Typisch ist der linienhafte Wachstumssektor entlang einer Hauptausfallstraße, an dem sich Oberschichtwohnviertel, Privatschulen und Infrastruktur konzentrieren. Während die ärmere Bevölkerung im ÖPNV (überfüllte Busse) pendelt, entstehen an peripheren Gunstlagen wie Steilhängen unregulierte Marginalsiedlungen mit selbst gebauten Unterkünften ohne Basisversorgung.
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Ordne jeder Beobachtung den Fachbegriff zu, mit dem man sie bezeichnet.
TippsZwei Beobachtungen handeln davon, dass Menschen umziehen. Achte genau auf die Richtung – sie entscheidet über den Begriff.
Lösung- „In diesem Land lebten vor 50 Jahren 40 von 100 Menschen in Städten, heute sind es 75 von 100.“ (Verstädterung)
- „In diesem Ballungsraum leben mehr als zehn Millionen Menschen.“ (Megastadt)
- „Hier stehen Banken, Behörden und Konzernzentralen dicht beieinander, aber kaum Wohnhäuser.“ (Central Business District)
- „Familien mit gutem Einkommen verlassen die Innenstadt und bauen im Umland.“ (Suburbanisierung)
- „Diese Häuser haben die Bewohnenden ohne Baugenehmigung und ohne öffentliche Planung selbst errichtet.“ (Marginalsiedlung)
- „In diesem Viertel wohnen fast nur Familien mit hohem Einkommen, zwei Straßen weiter fast nur Familien mit niedrigem.“ (Segregation)
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Entscheide, ob in den Wohnlagen nach den beiden Stadtmodellen eher wohlhabende oder eher ärmere Familien leben.
TippsKläre bei jedem Blatt zuerst, zu welchem Stadtmodell die genannte Stadt gehört. Erst danach hilft dir die Lage weiter.
Dieselbe Entfernung vom Zentrum bedeutet in den beiden Modellen Gegensätzliches.
Lösung„Am Stadtrand“ ist in Chicago und Dallas die Adresse der Wohlhabenden, in Rio de Janeiro und Bogotá die der Ärmeren. „Innenstadtnah“ ist in Detroit und Cleveland die Adresse der Ärmeren, in Lima und im Hochhausviertel neben dem Kolonialkern die der Wohlhabenden.
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