Deutsche Außenpolitik im Zeitalter des Imperialismus
Die deutsche Außenpolitik im Zeitalter des Imperialismus fokussierte sich auf Kolonialerwerbungen und Weltgeltung. Entdecke, wie Deutschland zu einer Kolonialmacht wurde und welche Konflikte entstanden. Interessiert? Lies weiter, um alles zu erfahren!
- Deutsche Außenpolitik im Zeitalter des Imperialismus
- Deutsche Kolonialpolitik unter Bismarck
- Ein Platz an der Sonne
- Deutsche Kolonien in Afrika
- Weitere koloniale Aktivitäten
- Ausbeutung und Widerstand in den Kolonien
- Die Marokko-Krisen
- Das Ende des deutschen Kolonialreichs
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Lerntext zum Thema Deutsche Außenpolitik im Zeitalter des Imperialismus
Deutsche Außenpolitik im Zeitalter des Imperialismus
Wenn heute vom Zeitalter des Imperialismus die Rede ist, ist damit in erster Linie die Zeit zwischen 1880 und 1918 gemeint, in der fast alle europäischen Mächte versuchten, ihren Einflussbereich durch Gebietserwerb zu vergrößern. In dieser Zeit kam es zum „Wettlauf um Afrika“ und der Aufteilung des afrikanischen Kontinents in europäische Interessensgebiete. Streitigkeiten um die Kolonien schufen neues Konfliktpotenzial und verstärkten schon bestehende Rivalitäten. Deutschland galt, was den Imperialismus anging, als „verspätete Nation“, da es lange Zeit zu stark mit der Reichsgründung und seiner Stellung in Europa beschäftigt war, um sich um den Aufbau einer starken Flotte und den Erwerb von Kolonien zu kümmern. Dadurch waren viele Gebiete, gerade in Afrika, bereits von England oder Frankreich beansprucht worden.
Deutsche Kolonialpolitik unter Bismarck
Otto von Bismarck (1815–1898) war von 1871 bis 1890 der erste Reichskanzler des Deutschen Reichs. Er spielte eine führende Rolle bei der deutschen Einigung und wurde lange Zeit als der „Eiserne Kanzler“ idealisiert. Trotz seiner konservativen Einstellung war er bekannt für seinen politischen Pragmatismus und seinen Hang zur Realpolitik.
Bismarck stand dem Kolonialismus als Reichskanzler eher skeptisch gegenüber. Der Fokus seiner Außenpolitik war die europäische Bündnispolitik. Sein Hauptziel war es, eine Einkreisung Deutschlands durch politische Gegner zu vermeiden. Kolonien waren für ihn, wenn überhaupt, nur als wirtschaftliche Investition von Interesse.
Die ersten deutschen Kolonien hatten ihren Ursprung deshalb in der privaten Initiative von Kaufleuten und Handelsgesellschaften, die durch Verträge mit Stammesoberhäuptern Land in Afrika erwarben und dort Handelsposten errichteten. Sie organisierten sich im Deutschen Kolonialverein und gewannen dadurch immer mehr Einfluss. So stimmte Bismarck schließlich zu, diese Ansiedlungen in Konflikten mit den Einheimischen militärisch zu unterstützen, und stellte ihnen sogenannte Schutzbriefe aus.
Ein Platz an der Sonne
Mit dem Rücktritt Bismarcks begann ab 1890 eine ganz neue Phase in der deutschen Kolonialpolitik. Der deutsche Kaiser Wilhelm II. sah Kolonien nicht in erster Linie unter wirtschaftlichem Gesichtspunkt, sondern als Prestigeobjekte, die Deutschland zu mehr „Weltgeltung“ verhelfen sollten. In diesem Zusammenhang förderte er den Aufbau einer starken und modernen deutschen Flotte und Kriegsmarine unter Admiral von Tirpitz. Der deutsche Außenminister und spätere Kanzler Bernhard von Bülow prägte 1897 den Begriff vom „Platz an der Sonne“, den Deutschland durch den Erwerb von neuen Territorien erwerben sollte.
Die neue, aggressive Weltpolitik wurde maßgeblich durch die Propaganda von Vereinigungen wie dem Alldeutschen Verband und dem Deutschen Flottenverein unterstützt. Diese trugen das imperialistische Gedankengut ins Bildungsbürgertum und rechtfertigten die Eroberung und Unterdrückung kolonialer Gebiete mithilfe von sozialdarwinistischen Ideen wie der Zivilisierung und Missionierung angeblich primitiver Ureinwohnerinnen und Ureinwohner.
Deutsche Kolonien in Afrika
Unter dem Druck der öffentlichen Meinung lud Bismarck 1884/85 dreizehn europäische Mächte zur Berliner Afrikakonferenz ein. Sie regelten dort im Wesentlichen das Vorgehen bei der Aufteilung des afrikanischen Kontinents, ohne die betroffene Bevölkerung in irgendeiner Weise einzubeziehen. In der Folgezeit kam es zur massiven Ausbeutung Afrikas durch die europäischen Kolonialmächte, deren Folgen teils noch heute sichtbar sind.
Nun wurden auch immer mehr offizielle deutsche Kolonien in Afrika gegründet:
- 1884 entstand auf dem Gebiet des heutigen Namibia Deutsch-Südwestafrika: Der deutsche Kaufmann Franz Lüderitz hatte durch betrügerische Verträge von den einheimischen Herero und Nama Land erworben, das nun durch Schutzbriefe abgesichert wurde. Wegen des gemäßigten Klimas siedelten sich hier vergleichsweise viele Deutschstämmige an.
- 1884 wurden auch Togo und Kamerun zu deutschen Kolonien.
- 1885 entstand auf Betreiben von Carl Peters Deutsch-Ostafrika auf dem Gebiet des heutigen Tansania, Burundi und Rwanda. Auf diesem Gebiet waren vor allem Bantu und Massai, aber auch arabische Siedlerinnen und Siedler ansässig.
Weitere koloniale Aktivitäten
Auch außerhalb Afrikas entstanden deutsche Territorien. Die Stadt Kiautschou wurde 1898 vom Kaiserreich China gepachtet. In Nord-Neuguinea entstand das „Kaiser-Wilhelm-Land“ und auf zahlreichen Inseln im Südpazifik, wie den Karolinen und Marianen, wurden Kolonien gegründet. Das deutsche Kolonialreich umfasste schließlich über 13 Millionen Menschen.
Ausbeutung und Widerstand in den Kolonien
Um aus den Kolonien wirtschaftlichen Profit zu ziehen, wurde die afrikanische Bevölkerung gewaltsam ausgebeutet und zur Arbeit gezwungen. Zu diesem Zweck wurden Kopf- und Hüttensteuern erhoben, die die Einheimischen zur Aufgabe ihres Lands zwangen. Die zahlreichen Unterdrückungsmaßnahmen durch die Kolonialherren führten immer wieder zu Auflehnungen in den besetzten Gebieten, die mithilfe von Schutztruppen, oft bestehend aus afrikanischen Söldnern, brutal niedergeschlagen wurden. Das bekannteste Beispiel ist der Völkermord an den Herero und Nama in Deutsch-Südwestafrika, aber auch der Maji-Maji-Aufstand in Deutsch-Ostafrika (1905–1907) wäre hier zu nennen.
Trotz aller Ausbeutung blieben die Kolonien für Deutschland letztendlich von geringem wirtschaftlichem Wert. Die Gewinne aus Rohstoffimporten wogen die entstandenen Kosten durch die militärische Besatzung und die notwendigen Investitionen in die koloniale Infrastruktur, zum Beispiel durch den Bau von Eisenbahnstrecken, letztlich nicht auf.
Die Marokko-Krisen
Die Grenzen des deutschen kolonialen Einflusses und die nachteiligen Folgen des kolonialen Engagements werden in den beiden Marokko-Krisen deutlich. Dabei handelte es sich um diplomatische Konflikte zwischen dem Deutschen Reich und Frankreich um die kolonialen Interessen in Nordafrika.
- Die Erste Marokko-Krise wurde 1905/06 durch den Versuch Frankreichs, Marokko zum Schutzgebiet auszurufen, ausgelöst, dem sich Deutschland entgegenstellte.
- In der Algeciras-Konferenz wurde vorübergehend eine Einigung erzielt.
- Aber bereits 1911 kam es zur Zweiten Marokko-Krise.
Die vergeblichen Drohgebärden Kaiser Wilhelms, der das Kanonenboot „Panther“ nach Agadir schickte, um Frankreich zum Einlenken zu bewegen, machten lediglich die Schwäche des Deutschen Reichs deutlich und trieben England und Frankreich enger zusammen.
Das Ende des deutschen Kolonialreichs
Letztendlich zahlte das Deutsche Reich für seine kolonialen Erwerbungen außenpolitisch einen sehr hohen Preis. Die starke Flottenrüstung provozierte England und führte zu einem Rüstungswettlauf, in dem Deutschland letztlich nicht mithalten konnte, und zur Entente cordiale zwischen England und Frankreich. Durch die zunehmende außenpolitische Isolierung war Deutschlands Position in Europa geschwächt. Nach dem Ersten Weltkrieg verlor es im Frieden von Versailles alle Kolonien. Diese wurden dem Völkerbund unterstellt.
Zusammenfassung – deutsche Außenpolitik im Zeitalter des Imperialismus
- Bismarck stand dem Kolonialismus ambivalent gegenüber, leitete aber durch die Berliner Afrikakonferenz die Zeit der kolonialen Expansion Deutschlands in Afrika ein.
- Unter Kaiser Wilhelm II. begann die Phase der imperialistischen Weltpolitik mit dem starken Ausbau der Flotte.
- Die erste deutsche Kolonie in Afrika war Deutsch-Südwestafrika. Aber auch in Ostafrika, Togo und Kamerun gab es deutsche Ansiedlungen.
- Die Brutalität der deutschen Kolonialherren führte zu Aufständen der einheimischen Bevölkerung, die wiederum gewaltsam niedergeschlagen wurden.
- Das deutsche Kolonialreich erwies sich letztlich außenpolitisch eher als Belastung, da es zum Konflikt mit England und Frankreich und der Isolation Deutschlands in Europa beitrug.
Deutsche Außenpolitik im Zeitalter des Imperialismus Übung
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Erkläre den Begriff Kolonialismus.
TippsMachtunterschiede und Kontrolle sind zwei zentrale Aspekte des Kolonialismus.
Kolonialgeschichte ist eng mit Gewalt, Zwang und Unterdrückung verbunden.
LösungKolonialismus bezeichnet die Ausdehnung der Herrschaft eines Staates über fremde Gebiete und deren Bevölkerung. Dabei kontrolliert das Mutterland (die Kolonialmacht) politisch, wirtschaftlich und oft auch kulturell das kolonialisierte Gebiet. Ziel war meist, Rohstoffe zu gewinnen, Handelsvorteile zu sichern und Macht auszubauen, während die einheimische Bevölkerung häufig benachteiligt oder unterdrückt wurde.
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Ordne die deutschen Kolonien regional ein.
TippsDer Pazifik liegt zwischen Asien, Australien und Amerika.
In Afrika errichtete das Deutsche Reich insgesamt vier Kolonien.
LösungDeutsche Kolonien in Afrika:
- Togo (seit 1884)
- Kamerun (seit 1884)
- Deutsch-Ostafrika (seit 1885)
- Deutsch-Südwestafrika (seit 1884)
Deutsche Kolonien in Asien:
- Kiautschou (seit 1898)
- Kaiser-Wilhelms-Land (Guinea, seit 1884)
- Deutsch-Samoa (seit 1990)
- mehrere Pazifikinseln (u. a. Karolinen, Marianen, Marshallinseln)
-
Beschreibe die Kolonialpolitik des Deutschen Kaiserreichs unter Bismarck.
TippsEin zentrales Ziel Bismarcks in der Außenpolitik war die Stabilisierung der neuen Machtposition des Deutschen Kaiserreichs innerhalb des europäischen Staatengefüges.
Bedenken, die er gegenüber dem Erwerb von Kolonien hatte, resultierten aus seiner Sichtweise auf die deutschen Interessen, nicht aus den Interessen anderer Staaten oder Völker.
LösungDie Kolonialpolitik des Deutschen Kaiserreichs begann vergleichsweise spät unter Reichskanzler Otto von Bismarck. Anfangs stand Bismarck kolonialen Bestrebungen skeptisch gegenüber, da er Konflikte mit anderen europäischen Mächten vermeiden und sich auf die Stabilität Deutschlands innerhalb Europas konzentrieren wollte.
Erst ab 1884 änderte er seine Haltung und stellte mehrere Gebiete in Afrika unter deutschen „Schutz“. Dabei überließ er die Erschließung zunächst privaten Handelsgesellschaften und griff nur begrenzt direkt ein.
Bismarcks Kolonialpolitik war somit eher pragmatisch und zurückhaltend, geprägt von wirtschaftlichen Interessen und machtpolitischem Kalkül, ohne ein langfristig ausgearbeitetes koloniales Gesamtkonzept.
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Erläutere den Begriff „Weltpolitik“.
TippsDer deutsche Außenminister und spätere Kanzler Bernhard von Bülow prägte 1897 den Begriff vom „Platz an der Sonne“, den Deutschland durch den Erwerb von neuen Territorien, verteilt auf dem ganzen Globus, erwerben sollte.
Die Begeisterung von Wilhelm II. für Nationalismus und Militarismus spiegelte sich auch in der deutschen Bevölkerung wider.
LösungUnter Kaiser Wilhelm II. (Regierungszeit: 1888–1918) verfolgte das Deutsche Kaiserreich eine aktive und aggressive Außenpolitik, die als „Weltpolitik“ bezeichnet wird. Ziel war es, Deutschland als globale Großmacht zu etablieren und mit Ländern wie Großbritannien und Frankreich gleichzuziehen.
Im Gegensatz zu Bismarcks vorsichtiger Politik setzte Wilhelm II. auf Kolonialerweiterung, wirtschaftlichen Einfluss und militärische Stärke. Besonders wichtig war der Ausbau der Kriegsflotte, um Deutschlands Macht auch über die Meere zu sichern.
Wichtige Unterstützung erhielt diese Politik durch nationalistische Interessenverbände wie den „Alldeutschen Verband“ und den „Deutschen Flottenverein“. Der Alldeutsche Verband setzte sich für eine expansive Kolonialpolitik, starken Nationalismus und die Ausweitung deutschen Einflusses ein. Der Deutsche Flottenverein warb in der Bevölkerung gezielt für den Ausbau der Kriegsflotte und stärkte so die Zustimmung zur maritimen Aufrüstung. Beide Organisationen trugen dazu bei, die Idee der „Weltpolitik“ in der Gesellschaft zu verbreiten und politischen Druck für eine aggressivere Außenpolitik aufzubauen.
Diese Politik führte jedoch zu Spannungen mit anderen Großmächten, vor allem mit Großbritannien, und trug langfristig zur Verschärfung internationaler Konflikte vor dem Ersten Weltkrieg bei.
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Fasse die Kernpunkte zum deutschen Kolonialreich zusammen.
TippsDie deutschen Kolonien haben ihren Ursprung in Handelsniederlassungen von privaten Kaufleuten wie Adolf Lüderitz oder Carl Peters in Afrika.
Der Regierungsantritt von Wilhelm II. läutete ein Wende in der Außenpolitik ein.
LösungDie deutsche Kolonialgeschichte im Zeitalter des Imperialismus lässt sich in vier Phasen einteilen:
- Zunächst begann ab 1884 unter Bismarck die Phase des Erwerbs von Kolonien, in der Deutschland vergleichsweise spät in den imperialistischen Wettbewerb eintrat und erste „Schutzgebiete“ vor allem in Afrika erlangte.
- Darauf folgte eine Phase des Aufbaus und der Verwaltung, in der die Kolonien zunächst durch private Gesellschaften organisiert und später zunehmend vom Staat kontrolliert wurden.
- Mit dem Regierungsantritt Wilhelms II. ab 1890 begann die Phase der „Weltpolitik“, geprägt von stärkerer Expansion, Flottenaufrüstung und wachsendem nationalem Anspruch auf globale Macht.
- Die vierte Phase ist durch Krisen und Widerstände gekennzeichnet, etwa durch Aufstände in den Kolonien, sowie schließlich durch den Verlust aller Kolonien im Ersten Weltkrieg.
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Beurteile den vorliegenden Quellenausschnitt.
TippsDie Perspektive deutscher Kolonialpolitiker war von wirtschaftlichen Interessen und einem Überlegenheitsgefühl gegenüber anderen Völkern geprägt.
Insgesamt drei Aussagen treffen zu.
LösungRichtige Aussagen:
- Peters sieht in den Kolonien auch ein Mittel für die Selbstbehauptung Deutschlands in Europa.
- Für Peters ist die Menschheit in verschiedene Rassen aufgeteilt.
- Aus seiner Perspektive ist die Verbreitung und Etablierung deutscher Kultur, Sprache und Machtausübung besonders wichtig.
- Carl Peters spricht sich klar gegen koloniale Expansion aus und fordert Zurückhaltung. → Falsch, da der Text genau das Gegenteil ausdrückt: Peters argumentiert für koloniale Expansion, um Deutschlands Stellung zu stärken.
- Es wird betont, dass deutsche Auswanderer im Ausland problemlos ihre Kultur bewahren können. → Falsch, da Peters beklagt, dass deutsche Auswanderer ihre Identität verlieren und „in fremde[n] Rassen“ aufgehen.
- Die Rechte und Kulturen anderer Völker sind ihm besonders wichtig. → Falsch, da der Text eine stark eurozentrische und rassistische Perspektive zeigt und nicht die Gleichberechtigung anderer Völker betont.
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