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Fossile Energieträger in Europa: Vorkommen, Förderung, Abhängigkeit

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Fossile Energieträger in Europa – Vorkommen, Förderung und wachsende Abhängigkeit

Wenn im Winter die Heizung läuft oder deine Familie ihr Auto tankt, hängt der Preis dafür oft von Ereignissen ab, die Tausende Kilometer entfernt stattfinden, etwa in Russland oder am Persischen Golf. Europa selbst verfügt zwar über eigene Vorkommen fossiler Energieträger, doch diese reichen bei Weitem nicht aus, um den enormen Energiebedarf des Kontinents zu decken. In diesem Text erfährst du, wo in Europa fossile Energieträger vorkommen, wie sie gefördert werden und warum Europa dennoch so stark von Energieimporten abhängig ist.

Kohle – der historische Energieträger Europas

Kohle war über weite Teile des 19. und 20. Jahrhunderts der wichtigste Energieträger Europas und legte den Grundstein für die Industrialisierung ganzer Regionen. Besonders bedeutende Steinkohlevorkommen liegen im Ruhrgebiet in Deutschland sowie in Oberschlesien in Polen, das bis heute zu den bedeutendsten Steinkohlefördergebieten Europas zählt.

Steinkohle ist ein fossiler Energieträger, der aus abgestorbenen Pflanzenresten vergangener Sumpf- und Moorwälder entstanden ist, die über Jahrmillionen unter Druck und Wärme in Kohle umgewandelt wurden.

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Die Entstehung großer Kohlevorkommen im Ruhrgebiet lässt sich grob so darstellen:

  • Vor rund 300 Millionen Jahren bedeckten ausgedehnte Sumpfwälder weite Teile Mitteleuropas.
  • Abgestorbene Pflanzenreste sanken in sauerstoffarmes Wasser und wurden dadurch vor vollständiger Verrottung bewahrt.
  • Im Lauf von Jahrmillionen lagerten sich weitere Gesteinsschichten darüber ab, wodurch Druck und Temperatur stetig stiegen.
  • Das organische Material wandelte sich schrittweise zunächst in Torf, dann in Braunkohle und schließlich in die dichtere, energiereichere Steinkohle um.

Das Ruhrgebiet ist nach dem Fluss Ruhr benannt. Seine wirtschaftliche Entwicklung wurde jedoch vor allem durch die Kohlevorkommen geprägt. Noch heute erinnern Orts- und Stadtteilnamen mit Bezug zum Bergbau sowie ehemalige Zechen und Halden an diese Zeit.

Braunkohle

Neben Steinkohle besitzt Deutschland auch bedeutende Braunkohlevorkommen, insbesondere im Rheinland, in der Lausitz und in Mitteldeutschland. Braunkohle wird anders als Steinkohle meist im oberflächennahen Tagebau gefördert, wodurch riesige Flächen umgestaltet wurden und in der Vergangenheit oft ganze Dörfer umgesiedelt werden mussten.

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Erdöl und Erdgas in der Nordsee

Neben Kohle verfügt Europa auch über bedeutende Erdöl- und Erdgasvorkommen, vor allem unter dem Meeresboden der Nordsee. Norwegen und Großbritannien zählen zu den wichtigsten europäischen Förderländern, wobei Norwegen einen erheblichen Teil seines Wohlstands direkt auf die Öl- und Gasförderung zurückführt.

Land Wichtigster fossiler Energieträger Fördergebiet
Deutschland Braun- und Steinkohle Rheinland, Lausitz, (historisch) Ruhrgebiet
Polen Steinkohle Oberschlesien
Norwegen Erdöl, Erdgas Nordsee
Großbritannien Erdöl, Erdgas Nordsee
Niederlande Erdgas (historisch) Groningen

Die Niederlande verfügten über Jahrzehnte im Gasfeld Groningen über eines der größten Erdgasvorkommen Europas. Da die Förderung dort jedoch wiederholt Erdbeben auslöste, die Gebäude beschädigten, hat die niederländische Regierung die Förderung in den vergangenen Jahren stark gedrosselt und schließlich vollständig eingestellt. Das erste eindeutig mit der Erdgasförderung in Verbindung gebrachte Erdbeben im Norden der Niederlande ereignete sich am 26. Dezember 1986 bei Assen, nahe dem Eleveld-Gasfeld.

Warum Europas eigene Förderung nicht ausreicht

Obwohl Europa durchaus über eigene fossile Energieträger verfügt, deckt die heimische Förderung nur einen Bruchteil des tatsächlichen Energiebedarfs. Europa zählt zu den am dichtesten besiedelten und am stärksten industrialisierten Kontinenten der Welt. Dadurch entsteht ein enormer Energiebedarf für Haushalte, Industrie und Verkehr. Gleichzeitig sind viele der ursprünglich reichen Lagerstätten, etwa im Ruhrgebiet oder in britischen Nordseefeldern, nach Jahrzehnten der Förderung inzwischen stark erschöpft. Europa muss deshalb einen Großteil seines Bedarfs an Erdöl, Erdgas und teilweise auch Kohle importieren.

Energieabhängigkeit beschreibt das Ausmaß, in dem ein Land oder eine Region auf Energieimporte aus dem Ausland angewiesen ist, weil die eigene Förderung den Bedarf nicht decken kann.

Bis 2021 bezog die Europäische Union einen sehr großen Teil ihres Erdgases aus Russland, insbesondere über Pipelines. Mit dem russischen Angriff auf die Ukraine im Jahr 2022 wurde diese Abhängigkeit zu einem erheblichen wirtschaftlichen und politischen Risiko. Die Sorge wuchs, dass Russland seine Gaslieferungen als politisches Druckmittel einsetzen könnte. Die EU und ihre Mitgliedstaaten reagierten daher mit einer raschen Diversifizierung ihrer Energieversorgung: Sie erhöhten unter anderem die Importe von Flüssigerdgas (LNG) per Schiff, insbesondere aus den USA und Katar, und bezogen mehr Pipelinegas aus anderen Ländern wie Norwegen.

Stell dir Europas Energieversorgung wie einen Haushalt vor, der jahrelang fast nur bei einem einzigen Lieferanten einkauft, weil dieser am günstigsten war. Fällt dieser Lieferant plötzlich aus, muss der Haushalt in kürzester Zeit neue, oft teurere Bezugsquellen finden.

Wie reagiert Europa auf diese Abhängigkeit?

Die Energiekrise der letzten Jahre hat viele europäische Länder dazu bewegt, ihre Energieversorgung breiter aufzustellen und langfristig unabhängiger zu werden. Dazu zählen der beschleunigte Ausbau erneuerbarer Energien. In Nord- und Ostsee wird vor allem die Windkraft ausgebaut, während südlichere Länder stärker auf Solarenergie setzen. Außerdem werden zusätzliche Terminals für importiertes Flüssigerdgas gebaut. In einigen Ländern wird zudem über eine längere Nutzung oder einen Wiedereinstieg in die Kernenergie als Übergangslösung diskutiert.

Ausblick – das lernst du nach dem Thema Fossile Energieträger in Europa

Im nächsten Schritt schaust du dir an, wie Länder wie Japan mit einer ähnlichen Importabhängigkeit bei Rohstoffen umgehen und welche gemeinsamen Strategien und Unterschiede sich dabei zeigen.

Zusammenfassung zum Thema Fossile Energieträger in Europa

  • Kohle war historisch der wichtigste Energieträger Europas, mit bedeutenden Vorkommen im Ruhrgebiet und in Oberschlesien.
  • Erdöl und Erdgas werden in Europa vor allem in der Nordsee gefördert, insbesondere durch Norwegen und Großbritannien.
  • Europas eigene Förderung reicht bei Weitem nicht aus, um den hohen Energiebedarf zu decken.
  • Die starke Abhängigkeit von russischem Erdgas wurde nach dem Angriff auf die Ukraine 2022 zu einem erheblichen Risiko.
  • Europa reagiert mit Diversifizierung der Lieferländer sowie beschleunigtem Ausbau erneuerbarer Energien.

Häufig gestellte Fragen zum Thema Fossile Energieträger in Europa

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Fossile Energieträger in Europa: Vorkommen, Förderung, Abhängigkeit Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Lerntext Fossile Energieträger in Europa: Vorkommen, Förderung, Abhängigkeit kannst du es wiederholen und üben.
  • Tipps

    Achte darauf, woraus Kohle entstanden ist – aus Lebewesen welcher Art?

    Beim Ruhrgebiet gibt es zwei Dinge zu unterscheiden: woher der Name kommt und woher der Wohlstand kam.

    Lösung

    Kohle war im 19. und 20. Jahrhundert der wichtigste Energieträger Europas und bildete das Fundament für die Industrialisierung. Sowohl Stein- als auch Braunkohle entstanden vor Millionen von Jahren aus den pflanzlichen Überresten dicht bewachsener Sumpf- und Moorwälder (nicht aus Tieren).

    Bedeutende europäische Steinkohlevorkommen liegen beispielsweise im deutschen Ruhrgebiet oder im polnischen Oberschlesien. Die ältere Steinkohle zeichnet sich im Vergleich zur jüngeren Braunkohle durch eine höhere Dichte und einen deutlich höheren Energiegehalt aus.

    Während Steinkohle meist unter Tage abgebaut wird, fördert man Braunkohle im oberflächennahen Tagebau. Da diese Tagebaue enorme Flächen beanspruchen, mussten für den Abbau in der Vergangenheit immer wieder ganze Dörfer umgesiedelt werden.

  • Tipps

    Überlege zuerst, was mit abgestorbenen Pflanzen normalerweise passiert. Warum ist hier etwas anderes geschehen?

    Lösung

    Sumpfwälder bedecken Mitteleuropa (1) – die Pflanzenreste sinken in sauerstoffarmes Wasser (2) – Gesteinsschichten lagern sich darüber ab und Druck und Temperatur steigen (3) – aus dem Material wird Torf und daraus Braunkohle (4) – am Ende entsteht Steinkohle (5).

    Der wichtigste Schritt ist der zweite: Ohne das sauerstoffarme Wasser gäbe es gar keine Kohle. Pflanzen, die an der Luft liegen, verrotten restlos, so wie Laub im Wald. Nur weil die Reste unter Wasser vor dem Verrotten geschützt waren, konnte daraus über Jahrmillionen Kohle werden.

  • Tipps

    Denk an die Umwandlungsreihe Torf – Braunkohle – Steinkohle. Was am Ende steht, lag am längsten unter Druck.

    Lösung

    Steinkohle lag länger und tiefer unter Druck, ist deshalb energiereicher und muss über Schächte aus der Tiefe geholt werden.

    Braunkohle liegt näher an der Oberfläche und wird im Tagebau abgebaut – und genau das ist der Grund, warum dafür riesige Flächen umgegraben und sogar ganze Dörfer umgesiedelt wurden. Für einen Schacht braucht man wenig Platz, für einen Tagebau eine ganze Landschaft.

    Zu den Fördergebieten von Steinkohle zählt Oberschlesien in Polen. Bedeutende Braunkohlevorkommen gibt es im Rheinland, in der Lausitz und in Mitteldeutschland.

  • Tipps

    Frage dich, warum die Förderung überhaupt eingestellt wurde. Der Grund ist nicht verschwunden.

    Lösung

    An dem Vorschlag stimmt: Eigenes Gas würde Importe ersetzen. Trotzdem greift er zu kurz. Die Förderung wurde beendet, weil Erdbeben in der Region Gebäude beschädigt haben – und genau die dort lebenden Menschen müssten die Folgen erneut tragen, während der Nutzen sich über ganz Europa verteilt. Und selbst dann bliebe Europa auf Importe angewiesen, denn die eigene Förderung deckt insgesamt nur einen Bruchteil des Bedarfs.

  • Tipps

    Zwei Begriffe handeln vom Einkauf von Energie. Einer benennt eine Schwierigkeit, der andere einen Ausweg.

    Lösung
    • Tagebau: Der Rohstoff wird von der Oberfläche her abgebaut, nicht über Schächte in der Tiefe.
    • Lagerstätte: eine Stelle im Untergrund, an der ein Rohstoff in nutzbarer Menge vorkommt
    • Energieabhängigkeit: Ein Land verbraucht mehr, als es selbst fördern kann, und muss zukaufen.
    • Diversifizierung: Der Einkauf wird auf mehrere Anbieter verteilt, statt auf einen einzigen zu setzen.
    • Industrialisierung: der Wandel hin zu Fabriken und Maschinen, der im 19. Jahrhundert begann
  • Tipps

    Eine Beobachtung spielt an der Tankstelle. Überlege, warum ein Ereignis in weiter Ferne den Preis hier beeinflusst.

    Lösung

    Blattabdrücke in der Kohle $\rightarrow$ Der Brennstoff ist aus Pflanzen entstanden.

    Fehlendes Dorf auf Karten $\rightarrow$ Für den Tagebau musste die Ortschaft weichen.

    Straßennamen nach Zechen $\rightarrow$ Der Bergbau hat den Ort über Generationen geprägt.

    Hoher Lebensstandard in Norwegen $\rightarrow$ Ein erheblicher Teil des Wohlstands stammt aus der Erdöl- und Erdgasförderung unter der Nordsee.

    Förderstopp in Groningen $\rightarrow$ Erdbeben durch die Förderung haben Gebäude beschädigt.

    Steigender Benzinpreis durch Ereignisse am Golf $\rightarrow$ Europa deckt einen Großteil seines Bedarfs aus dem Ausland.

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