Städtische Flächennutzung
Städte sind komplexe Systeme mit verschiedenen Funktionsbereichen wie Wohnen, Arbeiten und Bildung. Stadtplanung berücksichtigt Faktoren wie Verkehr und Flächenbedarf, um effiziente Abläufe zu gewährleisten. Verschiedene Stadtmodelle, wie das Kreis- und Sektorenmodell, erklären die Struktur und Entwicklung von Städten. Interessiert? Mehr dazu im folgenden Text!
- Was ist ein Stadtmodell im Fach Geografie?
- Stadtmodelle: Beispiel Kreismodell
- Stadtmodelle: Beispiel Sektorenmodell
- Stadtmodelle: Beispiel Mehrkernmodell
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Lerntext zum Thema Städtische Flächennutzung
Was ist ein Stadtmodell im Fach Geografie?
Städte sind ein hochkomplexes System. Der städtische Raum dient nicht nur als Wohn- und Arbeitsort, sondern ist beispielsweise auch Standort für Dienstleistungs- sowie Versorgungsunternehmen und bietet eigene Strukturen der Verwaltung und Bildung an.
Die Verteilung all dieser Bereiche in den Städten wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst, zum Beispiel durch die Verkehrsanbindung und den jeweiligen Flächenbedarf. Dies geschieht in der Regel nicht zufällig – Stadtplanerinnen und Stadtplaner versuchen, den Aufbau einer Stadt als hochkomplexes System optimal und rentabel zu gestalten. Dabei ist die Ressource Boden der zentrale Faktor: Wie kann eine meist begrenzte Stadtfläche möglichst viele Interessen befriedigen und zugleich eine lebenswerte Umgebung ermöglichen?
Städte haben – je nach Standort – unterschiedliche Ausprägungen. Beispiele dieser Differenzierungen siehst du in der folgenden Tabelle:
| Unterschiede | Beispiele |
|---|---|
| Oberflächenstruktur | Begrenzung der Stadtfläche durch Berge oder Flüsse, hügelige oder flache Landschaft etc. |
| Klima | mehr Innenraumflächen bei kälterem Klima; mehr Schattenflächen bei intensiver Sonnenstrahlung |
| Kultur | kulturelle Unterschiede (z. B. Unterschied orientalische und europäische Stadt) |
| Entwicklungsstand | je höher der wirtschaftliche Entwicklungsstand der Staaten, desto komplexere Planungsstrukturen |
| Geschichte | Veränderungen beim Wiederaufbau von kriegszerstörten Flächen |
Trotz all dieser Unterschiede lassen sich einheitliche Strukturen in der funktionalen Gliederung von Städten erkennen. Verschiedene Stadtmodelle sind in der Geografie (Erdkunde) daraus abgeleitet worden.
Neben der funktionsräumlichen Gliederung (z. B. Wohngebiete, Industriegebiete, Versorgungsbereiche) wird bei den meisten Modellen auch die sozialräumliche Gliederung (z. B. Einwohnerdichte, Haushaltsgröße, Arbeitslosenquote) in Betracht gezogen.
Stadtmodelle: Beispiel Kreismodell
Im Jahr 1924 entwickelte der Soziologe Ernest Burgess das sogenannte Kreismodell einer Stadt. Sein Stadtstrukturmodell zeigt, wie eine Stadt von einem zentralen Punkt aus, meist dem ältesten Kern der Stadt, in ringförmigen Zonen nach außen wachsen kann.
Die teuersten Flächen liegen bei diesem Modell in der Kernzone, dem Hauptgeschäftszentrum. Darauf folgen weitere Wohnviertel und Industriegebiete in ringförmigen Zonen. Der Wert der Bodenfläche ist dabei unterschiedlich und hängt von verschiedenen Faktoren ab, beispielsweise der Nutzung (Wohn- oder Industriefläche) sowie dem Entwicklungsstand (alte Wohnviertel mit niedrigem Status, gehobene Wohnviertel).
→ Das Kreismodell stellt die idealtypische Großstadtentwicklung der USA in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts dar. Einschränkend muss man sehen, dass solche homogenen, kreisförmigen Wachstumszonen in der Realität eher selten vorkommen.
Stadtmodelle: Beispiel Sektorenmodell
Der Wirtschaftswissenschaftler Homer Hoyt zeigte im Jahr 1939 ein alternatives Stadtmodell auf. Sein Entwicklungsmodell geht von Sektoren aus. Hoyt berücksichtigt unter anderem landschaftliche Besonderheiten wie Hügel und Flüsse und zeigt auf, dass Wohngebiete sich weniger gleichmäßig ringförmig, sondern eher als unterschiedlich große Sektoren ausbreiten. Beispielsweise liegen billigere Wohngebiete in der Nähe der Industriegebiete, während teurer Wohnraum in Sektoren weiter entfernt von diesen Gebieten zu finden ist.
Stadtmodelle: Beispiel Mehrkernmodell
Chauncy Harris und Edward Ullman entwickelten im Jahr 1945 das sogenannte Mehrkernmodell. Hier wird davon ausgegangen, dass sich bei einer Ausdehnung der Stadt mehrere Zentren oder sogenannte Kerne bilden. Neben dem eigentlichen Stadtkern entstehen also Subkerne, die je nach Größe der Stadt ebenfalls vielfältige Funktionen beherbergen können.
Stadtmodelle im Vergleich
In der Realität ergeben sich meist Überschneidungen der drei Modelle. Trotz einer strategischen Stadtplanung, in wirtschaftlich weit entwickelten Ländern mit freier Marktwirtschaft, findet man heute selten ein Modell in Reinform. Weitere Stadtmodelle folgten auf diese drei klassischen Interpretationen, beispielsweise Modelle, bei denen der Fokus auf der Flächennutzung oder aber der Bevölkerungsdichte liegt.
Auch lassen sich diese drei genannten Modelle nur auf wirtschaftlich höher entwickelte Länder übertragen.
- In wirtschaftlich weniger entwickelten Ländern unterscheidet sich die städtische Flächennutzung deutlich.
- Hier gibt es zwar ebenfalls ein Hauptgeschäftszentrum, jedoch entstehen Geschäfte, teure Wohnungen und Industriegebiete eher entlang von Hauptstraßen, die aus der Stadt herausführen.
- Die ärmsten Gebiete findet man hier in den Vororten oder außerhalb der Stadt, wo der Baugrund meist von geringer Qualität (z. B. sumpfig, steil, verschmutzt) ist oder so weit abseits liegt, dass er nicht erschlossen wird.
Insgesamt sieht man ebenfalls deutliche Unterschiede zwischen Stadtmodellen nordamerikanischer Städte (in der Regel schachbrettartige Struktur) und Stadtmodellen deutscher Städte (oft historischer Stadtkern und komplexes Straßenmuster). Auch die Stadtmodelle in Lateinamerika haben ihre Besonderheiten, wie häufig einen zentralen Platz und ebenfalls schachbrettartige Straßenführungen.
Viele Städte weltweit kommen an ihre Belastungsgrenzen, wie die Planstadt Brasilia, da immer mehr Menschen in Städte ziehen. So fehlt es beispielsweise an bezahlbarem Wohnraum und einer lebenswerten Umgebung (keine Luftverschmutzung, kein Lärm etc.). Stadtplanerinnen und -planer sind neu gefordert: Städte müssen lebenswerter und stärker im Einklang mit Mensch und Umwelt geplant werden.
Städtische Flächennutzung Übung
-
Bestimme funktionsräumliche und sozialräumliche Merkmale einer Stadt.
TippsDie funktionsräumliche Gliederung von Städten fragt: „Was passiert wo?“, die sozialräumliche Gliederung fragt „Wer wohnt wo?“.
LösungFunktionsräumliche Gliederung (Was passiert auf der Fläche?):
- Wohngebiet: Flächen, die primär dem Aufenthalt und Schlafen dienen
- Industriegebiet: Bereiche für Produktion, Handwerk und großflächiges Gewerbe
- Versorgungsbereich: Standorte für den Handel (z. B. Einkaufszentren)
- Hauptgeschäftszentrum: Innenstadt als Kern für Dienstleistungen und Büros
- Grünflächen und Parks: Orte der Erholung und ökologische Ausgleichsflächen
Sozialräumliche Gliederung (Wer lebt wie in der Stadt?):
- Einwohnerdichte: Anzahl der Menschen auf einer bestimmten Fläche
- Arbeitslosenquote: Indikator für die wirtschaftliche Situation der Bewohner eines Viertels
- Haushaltsgröße: Unterschied zwischen Single-Haushalten, Familien, Großfamilien etc.
- Anteil von Familien: Anzahl von Haushalten mit Kindern in bestimmten Stadtteilen
-
Beschreibe das Kreismodell.
TippsZwei Begriffe in der Wortbank gehören zum Sektorenmodell, nicht zum Kreismodell – streiche sie zuerst aus. Das hilft dir, die richtigen Angaben zu Namen und Jahreszahl sicher zu identifizieren.
LösungDas Kreismodell wurde im Jahr 1924 von dem Soziologen Ernest Burgess entwickelt.
Es zeigt, wie eine Stadt von einem zentralen Punkt aus – meist dem ältesten Kern der Stadt – in ringförmigen Zonen nach außen wachsen kann.
- Die teuersten Flächen einer Stadt befinden sich in diesem Modell im Hauptgeschäftszentrum, also in der innersten Zone.
- Darauf folgen nach außen hin weitere Wohnviertel und Industriegebiete.
Das Kreismodell beschreibt die idealtypische Stadtentwicklung der USA in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts.
-
Nenne die wichtigsten Merkmale des Mehrkernmodells.
TippsDas Mehrkernmodell hat einen entsprechenden Namen – er verrät dir das wichtigste Merkmal des Modells.
Drei Antworten sind korrekt.
LösungIm Gegensatz zu Modellen mit nur einem Zentrum beschreibt das Mehrkernmodell von Harris und Ullmann eine Stadt mit vielen funktionalen Knotenpunkten.
- Subkerne: Die Stadt wächst um mehrere Zentren (z. B. Industriegebiete, Uni-Viertel oder Einkaufszentren).
- Spezialisierung: Jeder Kern übernimmt eine eigene Aufgabe.
- Flexibilität: Wohngebiete orientieren sich an diesen Kernen, nicht nur an der Stadtmitte.
- Größenfaktor: Je größer die Stadt ist, desto mehr und spezialisiertere Subkerne entstehen.
-
Analysiere die Einschränkungen des Kreismodells.
TippsLies zuerst eines der Stadtmodelle, markiere es mit der entsprechenden Farbe (orientiert am Stadtnamen) und suche dann die passende Bewertung dazu.
Eine Stadtbeschreibung verweist auf einen Fluss als landschaftliche Besonderheit – das ist kein Merkmal, das das Kreismodell berücksichtigt. Welches andere Modell macht diese Einschränkung deutlich, und wie hilft dir das bei der Zuordnung?
LösungDas Kreismodell ist auf jede der drei fiktiven Städte nur begrenzt anwendbar. Die Einschränkungen sind:
- Stadt Polycenter: Das Kreismodell geht von einem einzigen zentralen Kern aus – die Realität zeigt jedoch häufig Überschneidungen mit dem Mehrkernmodell, bei dem mehrere Zentren entstehen.
- Stadt Neustadt: Das Kreismodell wurde für die idealtypische US-amerikanische Großstadtentwicklung entwickelt und lässt sich nur auf wirtschaftlich höher entwickelte Länder übertragen.
- Stadt Sektoria: Das Kreismodell berücksichtigt keine landschaftlichen Besonderheiten wie Flüsse oder Hügel, die die Ausbreitung von Wohngebieten beeinflussen.
-
Definiere das Sektorenmodell.
TippsZwei Paare beschreiben die Lage von Wohngebieten nach ihrem Preis – Industriegebiete sind primär für Produktionsstätten gedacht, die Lärm, Staub oder Erschütterungen produzieren können.
LösungDas vom Wirtschaftswissenschaftler Homer Hoyt im Jahr 1939 entwickelte Sektorenmodell stellt eine Weiterentwicklung der Stadtstrukturtheorien dar. Im Gegensatz zu starren Ringmodellen geht Hoyt davon aus, dass sich die Stadtgebiete entlang von Verkehrsachsen (wie Eisenbahnen oder Ausfallstraßen) in Sektoren ausbreiten.
Dabei spielen zwei Faktoren eine entscheidende Rolle:
- Landschaftliche Besonderheiten: Faktoren wie Flüsse, Hügel oder Täler bestimmen, in welche Richtung sich die Stadt räumlich ausdehnen kann.
- Soziale Segregation: Die Wohngebiete sortieren sich nach dem Einkommen. Während billige Wohngebiete oft in der Nähe von belastenden Industriegebieten liegen, befinden sich teure Wohngebiete in Sektoren, die räumlich so weit wie möglich von Lärm und Schmutz entfernt sind.
-
Analysiere die Stadtplanung für den Aufbau der fiktiven Stadt Riviera.
TippsEs ist vielleicht nicht leicht erkennbar, ob die Planung des Südens oder des Nordens zuerst erfolgt. Lese zunächst beide Textabschnitte und achte auf zwei Schlüsselwörter, die die richtige Reihenfolge verraten.
Suche den Schritt, der die Ausgangssituation beschreibt (das ist der Anfang), und den Schritt, der die Schlussfolgerung enthält (das ist das Ende).
Lösung1) Der Start ist die Feststellung des vorhandenen Stadtzentrums als Ausgangspunkt der Entwicklung.
2) Die landschaftlichen Besonderheiten werden als Rahmenbedingung des Sektorenmodells identifiziert – das ist die theoretische Grundlage für alle folgenden Überlegungen.
3) Die Industriegebiete breiten sich in einem Sektor (Süden) aus.
4) Billige Wohngebiete entstehen in der Nähe der Industrie – das ist die direkte Konsequenz der Industrieansiedlung im Süden.
5) Teure Wohnviertel entstehen im Norden, weit entfernt von der geplanten Industrie – das folgt auf die Etablierung der billigen Wohngebiete im Süden und zeigt die sektorale Differenzierung.
6) Die abschließende Schlussfolgerung bestätigt, dass die Entwicklung dem Sektorenmodell entspricht – sie steht am Ende als zusammenfassende Bewertung.
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