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Romantik – Überblick 07:59 min

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Transkript Romantik – Überblick

Eine Nixe sitzt in der Abendsonne auf einem hohen Felsen am Rhein und kämmt ihr langes, goldenes Haar. Dabei zieht sie die vorbeifahrenden Schifffahrer so in ihren Bann, dass deren Schiffe am Felsen zerschellen. Kennst du diese Legende? Und weißt du, wo sie verortet ist? Es ist die Legende der Loreley. Der Begriff Loreley steht seit dem Mittelalter sowohl für den markanten Felsen im Rhein als auch für die Nixe auf diesem Felsen. Heinrich Heine hat dazu das Gedicht “Die Loreley” mit den berühmten Anfangszeilen gechrieben: Ich weiß nicht was soll es bedeuten, Daß ich so traurig bin; Ein Märchen aus alten Zeiten, Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Mittelalterliche Legenden und mystischen Naturbeschreibungen stießen nicht nur bei Heinrich Heine, sondern auch bei anderen Dichtern der Romantik auf großes Interesse. Doch was genau bedeutet “Romantik” in der Literatur? Der Begriff Romantik stammt vom altfranzösischen romanz, romant oder roman ab. Damit wurden alle Schriften bezeichnet, die in der Volkssprache verfasst wurden. Die Romantik als literarische Epoche entstand Ende des 18. Jahrhunderts und dauerte bis ins erste Drittel des 19. Jahrhunderts an. Sie war nicht nur eine europäische Geistesbewegung, sondern auch eine Gegenbewegung zur Gesellschaft des beginnenden industriellen Zeitalters.

Diese Gesellschaft ist nämlich geprägt von Verstädterung und Landflucht, von Gewinnstreben und bloßem naturwissenschaftlichen Nützlichkeitsdenken. Die Romantiker lehnen diese Lebenswirklichkeit der Aufklärung radikal ab. Der bürgerliche Alltag erscheint ihnen grau, eintönig, gefühlskalt, ohne Geheimnisse und Geborgenheit. Sie ziehen sich stattdessen in private Freundeskreise zurück und fliehen in Melancholie und in phantastische oder vergangene Welten. Die Weltflucht der Romantiker ist eine Flucht in Märchen, Sagen und Volkslieder. Außerdem wird das das Mittelalter mit seinem Mystizismus und der auf Treue gegründeten Ordnung zum Ideal. Der Philosophie der Romantiker nach gab es einen Bruch, der die Welt gespalten habe: in die Welt der Vernunft und die Welt des Gefühls und des Wunderbaren. Die Dichter der Romantik sehen ihre Aufgabe in der Heilung des Risses, der durch die Welt und damit durch die Individuen geht. Zentrales Symbol für diese Sehnsucht nach einer Heilung der Welt ist die blaue Blume, die wie kein anderes Motiv die romantische Suche nach innerer Einheit, Heilung und Unendlichkeit verkörpert - und den Glauben ans das Vertrauen in das Wunderbare und in übersinnliche Kräfte. Erstmals verwendet wurde es vom Dichter Novalis.

Innerhalb der Motive der Romantiker ist also die Sehnsucht zentral. Es findet sich auch in der Malerei, bei Caspar David Friedrich, wieder. Aus seinen Gemälden entstehen auch das Wander- und Reisemotiv sowie die Motive des Fernwehs und des Müßiggangs, verwendet etwa im Roman Aus dem Leben eines Taugenichts von Joseph von Eichendorff. Beliebt ist außerdem das Motiv der Nacht, denn es verkörperte die von den Romantikern propagierte Verschmelzung von Sinneseindrücken besonders gut. Allerdings sehen die Romantiker auch Gefahren in dieser „anderen Welt“. Die Nachtseite ist geprägt von Teufelspakten, Wahnsinn, Gespenstern, Schuld und Tod - diese Motive finden sich besonders ausgeprägt bei E. T. A. Hoffmann. Viele Motive der Romantik, wie Liebe, Sehnsucht, Natur, Nacht und Tod, tauchen auch in der in den 1980er-Jahren entstandenen Gothic-Szene wieder auf. In der Romantik sind weder Form noch Inhalt festgelegt. Insgesamt streben die Romantiker nach einer „Universalpoesie“, die gleichzeitig Wissenschaft, Religion und Dichtung sowie lyrisch, episch, dramatisch und musikalisch ist - eine weltoffene, ewig unfertige Dichtungsform. Ihr Zweck ist eine Poetisierung und damit Harmonisierung der Gesellschaft.

Dafür eignet sich am besten die Erzählprosa bzw. der Roman - hier können alle Gattungsgrenzen aufgelöst werden, nichts muss in starre Formen gefasst sein. Zudem eignen sich Erzählung und Novelle mit ihrem unmittelbaren Einsetzen der Handlung und ihrem offenen Ausgang besonders gut für die romantischen Dichter. Auch Kunstmärchen und Märchen waren sehr beliebt. Für die Nachwelt ist die romantische Lyrik die wichtigste literarische Form. Der musikalische Charakter der Lyrik, ihre Ausdruckskraft und Bildlichkeit passen zu der Weltsicht der Romantik.

Die romantische Lyrik ist geprägt von einer volksliedhaften Einfachheit und einem Höchstmaß an sprachlicher Kunst sowie der von Goethe eingeleiteten Natur- und Erlebnislyrik. Zu den bedeutendsten romantischen Lyrikern zählt Novalis. Das Drama spielt zur Zeit der Romantik eine eher untergeordnete Rolle. Die romantische Komödie nach William Shakespeare und das Geschichtsdrama sind die beliebtesten dramatischen Formen in der Romantik. Bekannt ist Ludwig Tiecks “Der gestiefelte Kater”. Die "romantische Ironie" wird von Friedrich Schlegel kultiviert. Hier aber nicht als stilistisches Element, sondern als Prägung des Kunstwerks insgesamt.

Auch Heinrich Heine benutzte jene Ironie - und politische Dichtung. Bekannt ist “Deutschland, ein Wintermärchen”. Hierin zeigt er auf satirische Weise seine zwiespältige Haltung zum Poesiebegriff der Romantiker. Dennoch ist Heine einer der populärsten romantischen Lyriker. Seine Gedichte haben eine große Wirkung über die Epoche der Romantik hinaus und wurden vielfach zu Volksliedern, so auch “Die Loreley”

Dort heißt es weiter:

Die Luft ist kühl und es dunkelt, Und ruhig fließt der Rhein; Der Gipfel des Berges funkelt Im Abendsonnenschein.

Solche Verse bezeichnet man noch heute als romantisch. Heute wird das Wort allerdings für einen sentimentalen Zustands des Gefühlsreichtums verwendet.

8 Kommentare
  1. Hallo Carolinedaul Ernst,
    du würdest uns sehr weiterhelfen, wenn du uns die Aufgabennummer nennen würdest. Dann können wir das Problem schneller überprüfen und ggf. beheben.
    Viele Grüße aus der Redaktion

    Von Alicia v. L.C., vor 12 Monaten
  2. Hallo irgendwas stimmt bei der Lösung/Aufgabenstellung nicht. Egal wie ich es löse, es ist immer falsch LG caroline/ mama

    Von Carolinedaul Ernst, vor 12 Monaten
  3. hello

    Von Kenny W., vor mehr als 2 Jahren
  4. Hallo Pierlaura,
    zu diesem Video liegt leider noch kein Transkript vor, tut mir leid. Wir werden uns deine Anfrage aber notieren und versuchen, eine Lösung zu finden.
    Beste Grüße aus der Redaktion

    Von Vreni Striggow, vor etwa 3 Jahren
  5. Ist es möglich eine Textversion des Videos zu haben?Vielen Dank

    Von Pierlaura Vezzoli, vor etwa 3 Jahren
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Romantik – Überblick Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video Romantik – Überblick kannst du es wiederholen und üben.

  • Definiere die Romantik und gegen was sie sich wendet.

    Tipps

    Eine literarische Strömung ist eine Phase innerhalb eine Epoche, die das wesentliche Welt- und Menschenbild der Epoche übernimmt, aber thematische, formale oder ästhetische Akzente verschiebt.

    Die Phase des Sturm und Drang ist eine literarische Strömung innerhalb der Epoche der Aufklärung.

    Lösung

    Das Wort Romantik stammt aus dem Französischen, wo es die Schriften bezeichnete, in deren Sprache das Volk redete. Es war eine gewisse Art von abgeändertem Latein, das sich mit anderen Elementen vermischt hatte. Im Gegensatz dazu stand das Latein der Gelehrten.

    Die Romantiker sprachen also die Sprache des Volkes. Ihre Texte sollten sprachlich für alle verständlich sein. Zwischen 1798 und 1835 entwickelte sich eine Bewegung, die sich gegen die hochgelehrte Aufklärung wandte. Die Aufklärung hatte die Wissenschaften ins Zentrum des Denkens gestellt. Das Nützlichkeitsdenken der Aufklärung spiegelte sich in Innovationen und fortschreitender Entwicklung wider, wie z. B. in der Industrialisierung. Diese Entwicklung brachte Landflucht, Verstädterung, Armut und Gewinnstreben mit sich, allesamt Dinge, die die Romantiker verurteilten.

    Da der Alltag entleert und langweilig erschien, zog man sich deshalb ins Private und in phantastische und vergangene Welten zurück. Man schrieb über Märchen, Sagen, Mythen, Legenden und Volkslieder und baute sich eine Welt auf, die auf mittelalterlichen Idealen wie Treue und Mystizismus basierte.

  • Ordne den romantischen Autoren eines ihrer Werke zu.

    Tipps

    Bei „Heinrich von Ofterdingen" handelt es sich um ein Werk von Novalis, das im Laufe des Jahres um 1800 entstand.

    Lösung

    Die Romantiker haben eine reichhaltige Fülle an Literatur in beinahe allen Gattungen hinterlassen. Sie strebten nach Auflösung von Grenzen und Erfahrung von Neuem. Große Autoren der Romantik sind z. B.:

    • In der Philosophie: Friedrich Schlegel und seine Werke über die romantische Ironie
    • Im Drama: Ludwig Tiecks „Gestiefelter Kater“
    • In der Lyrik: Heinrich Heines „Die Lore-Ley“
    • Und in der Epik: Novalis' „Heinrich von Ofterdingen“, Joseph von Eichendorffs „Aus dem Leben eines Taugenichts“ und E.T.A. Hoffmanns „Der Sandmann“

  • Bestimme einige Merkmale der Romantik.

    Tipps

    Die Romantik war auch eine Gegenbewegung zur Aufklärung und deren allzu rationaler Denkweise. Fallen dir Autoren der Aufklärung ein?

    Gotthold Ephraim Lessing war ein bedeutender Dichter der Aufklärung.

    Lösung

    Die romantischen Dichter teilten einige Ansichten wie z. B. ihre Ablehnung der zu rationalen Aufklärung, die Sehnsucht nach einer harmonischen und natürlichen Welt und die Orientierung an der althochdeutschen und germanischen Kultur des Mittelalters. Damit unterschieden sie sich teilweise von Klassikern wie Friedrich Hölderlin und Heinrich Kleist, die wie Goethe und Schiller in der Antike ihr großes Vorbild sahen.

    Auch von der nachfolgenden Zeit des Realismus lassen sich die Romantiker abgrenzen, denn Realisten wie Theodor Storm oder Theodor Fontane verfolgten andere Ziele: Ihr Stil war eine realistisch-präzise Beschreibung ihrer Wirklichkeit, um damit möglichst objektiv zu wirken und die Probleme der Welt herauszustellen.

    Die Romantiker hingegen wandten sich den psychologischen Ebenen des Menschen zu, dem Unterbewussten, dem Dunklen, den Ängsten und der Phantasie. Die Gebrüder Grimm sammelten Märchen, Achim von Arnim und Clemens Brentano Volkslieder. August Wilhelm Schlegel war wie sein Bruder Friedrich Schlegel ein begabter Literaturkritiker, Philosoph und außerdem Übersetzer.

  • Bestimme die Epochen, aus denen die nachfolgenden Textausschnitte stammen.

    Tipps

    Achte auf die Themen und bestimmte Schlagwörter, die in den Texten auftauchen – welche Themen waren typisch für welche Epoche (z. B. Sehnsucht - Romantik)?

    Typische Themen der Barockliteratur sind Aufbau und Zerstörung, Leid und Tod.

    Lösung

    Die Romantik war eine eigene literarische Epoche mit ihren eigenen Charakteristika, Themen und Motiven. In der Romantik sind berühmte Motive z. B. die Nacht, Sehnsucht, Tod, Natur und phantastische Wesen.

    • Einige dieser Motive finden wir im ersten Textausschnitt aus E.T.A. Hoffmanns „Sandmann“ wieder: Der Stil ist märchenhaft, es geht um Ängste und Fabelwesen.
    • Auch der zweite Textausschnitt ist romantisch. Das Gedicht „Sehnsucht“ von Joseph von Eichendorff behandelt das Verlangen nach Abenteuern und Entdecken.
    • Der dritte und der vierte Text sind nicht romantisch; hier spielen andere Themen eine Rolle. Das Gedicht „Es ist alles eitel“ von Andreas Gryphius ist barock. Es handelt von Aufbau und Zerstörung, von Krieg und Leid und ist damit ein Ausdruck des Dreißigjährigen Krieges. Stilistisch zeigt sich der Barock in der Gedichtform des hier verwendeten Sonetts.
    • Der vierte Text ist Rainer Maria Rilkes bekanntes Gedicht „Der Panther“. Darin schildert Rilke impressionistisch einen Panther, der nur durch Gitterstäbe die Welt in sich aufnehmen kann. Der Impressionismus wendete sich vom Realismus ab, der den Anspruch hatte, möglichst objektiv und neutral die Welt zu beschreiben. Die neue Richtung fügte der Literatur vielmehr eine subjektive Perspektive hinzu: Die Wahrnehmung der Wirklichkeit trat in den Vordergrund.
  • Gib einige verbreitete Motive der Romantik wieder.

    Tipps

    Überlege, welche Motive sich in den Werken der Romantiker widerspiegeln und um welche Themen ihre Gedanken kreisen.

    Aus welcher Epoche stammen Motive wie Weltuntergang und Krieg?

    Lösung

    Die romantische Literatur greift aufgrund ihrer Philosophie auf einige weitverbreitete Themen und Motive zurück. Die Romantiker stehen der Aufklärung kritisch gegenüber. Sie vermuten einen Bruch zwischen Gefühl und Denken, da ihnen das Rationale in der Aufklärung zu stark überbewertet wurde. Ihr Ziel ist deshalb, durch ihre Werke für Harmonie zu sorgen und die Gesellschaft durch die Vermittlung von Gefühl und Wunderbarem zu poetisieren. Die Sehnsucht nach einer ganzheitlichen, natürlichen Welt steht daher im Vordergrund, eine Sehnsucht nach einer vergangenen, einer idealen oder phantastischen Welt. Abenteuer und Entdecken, Wandern und Reisen, um diese Welten zu erfahren, werden wichtig. Eine große Rolle spielt auch das Motiv der Nacht, denn die Nacht steht für das Geheimnisvolle, Verbergende und Irrationale. Verbunden mit der Nacht sind Motive wie Tod und Wahnsinn.

  • Bestimme, worum es in den einzelnen Werken geht.

    Tipps

    Das Motiv der Blauen Blume steht für die Romantik und stammt aus einem Buch von Novalis.

    „Der Sandmann“ handelt vom Unbewussten und von den Erinnerungen eines jungen Mannes.

    Die Figur Nathanael wurde von E.T.A. Hoffmann erschaffen.

    Lösung

    Die Romantik ist bekannt dafür, dass sie sich nicht festlegte. Ihre Themen, Sprachen, Stile und Ausdrucksformen waren vielfältig, denn die Romantiker wollten sich nicht durch Konventionen, die ihre aufklärerischen Vorväter eingeführt hatten, eingrenzen lassen. Sie suchten daher sowohl in politischen Schriften als auch in Märchen, Sagen und Legenden andere Vorstellungsformen vom Leben in dieser Welt.

    • Ludwig Tieck verarbeitete ein Märchen, das die Gebrüder Grimm gesammelt hatten: „Der gestiefelte Kater“.
    • „Undine“ ist eine Erzählung von Friedrich de la Motte Fouqué; in ihr greift der Autor auf eine mittelalterliche Sagen- und Ritterwelt zurück.
    • In „William Lovell“ erzählt Ludwig Tieck von einem englischen Adligen, der nach Italien fährt und dabei etliche Beziehungsenden mitverfolgt, verursacht oder erleidet.
    • Und schließlich schrieb Joseph von Eichendorff das berühmte Buch „Aus dem Leben eines Taugenichts“, in dem er die Muße, die Ungebundenheit, das Wandern, Reisen, Entdecken, die Freiheit und seine Vorstellungen von einem zweckungebundenen Leben ausdrückte und damit dem vorherrschenden Nützlichkeitsdenken widersprach.