Die römische Familie
- Die römische Familie
- Was bedeutete „Familie“ im Alten Rom?
- Der pater familias – der Herr im Haus
- Die Mutter – die Herrin des Hauses
- Die Kinder
- Sklaven gehörten zur Familie
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Lerntext zum Thema Die römische Familie
Die römische Familie
Wer entscheidet bei dir zu Hause, wann du ins Bett gehst oder was es zum Abendessen gibt? Wahrscheinlich reden deine Eltern und du gemeinsam darüber. Im Alten Rom war das ganz anders. Dort hatte eine einzige Person fast die gesamte Macht in der Familie: der Vater.
Eine römische Familie sah außerdem anders aus, als du vielleicht denkst. Wer gehörte alles dazu? Warum hatten die Väter so viel Macht? Und wie lebten die Mütter, die Kinder und die Sklavinnen und Sklaven? Das erfährst du in diesem Text.
Das lateinische Wort familia umfasste im Alten Rom mehr Personen als heute. Dazu gehörten nicht nur die Eltern und Kinder, sondern auch alle Sklavinnen und Sklaven, die im Haus lebten und arbeiteten.
Was bedeutete „Familie“ im Alten Rom?
Heute meinen wir mit „Familie“ meistens Eltern, Kinder und Verwandte. Im Alten Rom war das anders: Zur familia zählten alle Menschen und Dinge, die zu einem Haushalt gehörten. Das waren die Eltern, die Kinder, manchmal weitere Verwandte – und eben auch die Sklavinnen und Sklaven. Sogar das Haus, das Geld und das Vieh gehörten dazu.
An der Spitze dieser großen Hausgemeinschaft stand immer ein Mann: der Vater.
Zu einer römischen Familie gehörten Eltern (pater und mater), Kinder (frater und soror) und die Sklavinnen und Sklaven des Hauses (serva und servus). Auch die folgende Generation, also Enkelinnen und Enkel, gehörten zur familia.
Der pater familias – der Herr im Haus
Der Vater war das Oberhaupt der Familie. Man nannte ihn pater familias, das heißt übersetzt „Vater der Familie“. Er traf alle wichtigen Entscheidungen und bestimmte über alle Mitglieder seines Haushalts.
Nach altem römischem Recht besaß er eine sehr weitreichende Macht. Er durfte über Land, Besitz und Vermögen der familia frei verfügen. Er hatte außerdem eine große Entscheidungsgewalt über seine Familienmitglieder: Im äußersten Fall entschied er sogar über Leben und Tod. Im Alltag kam das aber so gut wie nie vor. Meistens kümmerte sich der pater familias darum, dass es der Familie gut ging, dass genug Geld da war und dass die Kinder gut erzogen wurden.
Die Mutter – die Herrin des Hauses
Die Mutter wurde mater familias genannt. Sie leitete den Haushalt, kümmerte sich um die Kinder und leitete die Sklavinnen und Sklaven an, die im Haus arbeiteten. In der Familie hatte sie ein hohes Ansehen.
Römerinnen hatten außerdem mehr Freiheit als viele Frauen im antiken Griechenland: Sie konnten sich in der Stadt frei bewegen, einkaufen gehen oder Feste besuchen. Politisch mitbestimmen durften sie aber nicht. Frauen durften nicht wählen und kein politisches Amt übernehmen. In wichtigen rechtlichen Dingen stand immer ein Mann über ihnen: entweder der Ehemann oder der Vater.
Die Kinder
Kleine Kinder trugen ein Amulett um den Hals, die Bulla. Es sollte sie vor Unglück schützen. Wie alle Kinder spielten auch die Kinder in Rom schon mit ganz unterschiedlichen Spielsachen: Wagen aus Holz, Puppen, Murmeln, Kreisel oder Puzzles und Brettspiele. Römische Kinder liebten auch Ball-, Lauf- und Fangspiele. Schulen gab es auch damals schon, aber nicht für alle Kinder. Bei der Erziehung gab es große Unterschiede zwischen Jungen und Mädchen:
- Jungen lernten lesen, schreiben und rechnen, oft bei einem Lehrer. Reiche Familien hatten dafür sogar einen gebildeten Sklaven, der den Jungen auch die griechische Sprache beibrachte. Wurde ein Junge etwa 16 Jahre alt, galt er als erwachsen und durfte die toga virilis tragen, die Toga der Männer.
- Mädchen lernten vor allem, einen Haushalt zu führen. Sie heirateten oft schon sehr jung, manchmal mit zwölf oder 14 Jahren.
Sklaven gehörten zur Familie
Wie im antiken Griechenland gab es auch in Rom Sklavinnen und Sklaven. Sie gehörten zur familia und waren das Eigentum des pater familias. Sklavinnen und Sklaven mussten im Haus, auf dem Feld oder in Werkstätten arbeiten und hatten keine eigenen Rechte. Für die Menschen damals war die Sklaverei etwas ganz Normales.
Wie hart das Leben der versklavten Menschen war, hing stark vom Besitzer und von ihrem Aufgabenbereich ab. Manche wurden schlecht behandelt und mussten schwerste Arbeit verrichten. Andere, zum Beispiel gebildete Sklaven, die als Lehrer arbeiteten, hatten es etwas besser. Nicht wenige Sklavinnen und Sklaven wurden nach einer gewissen Zeit auch freigelassen und wurden damit zu sogenannten Freigelassenen.
Wo wohnte eine römische Familie?
Wo eine Familie lebte, hing davon ab, wie reich sie war.
Reiche Familien wohnten in einem großen Stadthaus, Domus genannt. In seiner Mitte lag oft ein offener Innenhof. Ärmere Familien lebten dagegen in einfachen Wohnungen in mehrstöckigen Mietshäusern, den Insulae. Dort war es eng, laut und manchmal gefährlich, weil leicht ein Feuer ausbrechen konnte.
In fast jedem Haus gab es einen kleinen Hausaltar. Dort verehrte die Familie ihre Hausgötter, die Laren und Penaten. Die Familie betete zu ihnen und bat sie um Schutz für das Haus.
Wusstest du schon? Ein römischer Mann hatte meist drei Namen, zum Beispiel Gaius Julius Caesar. Mädchen bekamen dagegen oft nur die weibliche Form des Familiennamens. Die Töchter der Familie Iulius hießen also alle Iulia – nur durch Zusätze wie „die Ältere“ oder „die Jüngere“ konnte man sie unterscheiden.
Die folgende Tabelle zeigt dir noch einmal, wer zu einer römischen Familie gehörte:
| Mitglied der Familie | Seine Rolle im Haus |
|---|---|
| pater familias (Vater) | Oberhaupt der Familie, bestimmte über alle |
| mater familias (Mutter) | leitete den Haushalt, hatte hohes Ansehen |
| Kinder | gehorchten dem Vater, wurden je nach Geschlecht erzogen |
| Enkel | kamen nach dem Tod des Großvaters unter die Obhut des Vaters |
| Sklaven | gehörten zur familia, mussten arbeiten |
Quiz – Familien damals und heute
Die römische Familie – Zusammenfassung
- Mit dem Wort familia meinten die Römer den ganzen Haushalt – also Eltern, Kinder und auch die Sklaven.
- An der Spitze stand der pater familias, der Vater. Er hatte eine sehr weitreichende Macht über die ganze Familie.
- Die mater familias (Mutter) leitete den Haushalt und hatte hohes Ansehen, durfte aber nicht politisch mitbestimmen.
- Jungen und Mädchen wurden unterschiedlich erzogen. Mädchen heirateten oft sehr jung.
- Sklavinnen und Sklaven gehörten zur Familie und waren das Eigentum des Vaters.
Häufig gestellte Fragen zum Thema Die römische Familie
Die römische Familie Übung
-
Gib an, wer und was zu einer römischen Familie gehörte.
TippsDie familia war für die Römer eine Hausgemeinschaft. Dazu zählten nicht nur Menschen.
Frage dich: Stand diese Person oder Sache unter der Verfügung des Hausherrn?
Bei Personen hilft dir der Wohnort weiter – nicht nur die Verwandtschaft. Denn auch Menschen, die nicht mit dem Hausherrn verwandt waren, gehörten zu seiner familia, solange sie in seinem Haus lebten und arbeiteten.
Lösunggehörte zur familia: der Hausherr und seine Ehefrau, die Sklavinnen und Sklaven im Haus, das Vieh des Haushalts
gehörte nicht zur familia: die Nachbarn aus derselben Straße, die Freunde des Hausherrn, die Priester im Tempel der Stadt
Der römische Familienbegriff war ein Haushaltsbegriff: Eltern und Kinder zählten dazu, aber ebenso die versklavten Menschen, die im Haus lebten und arbeiteten. Sogar Haus, Geld und Vieh gehörten zur familia. Nachbarn, Freunde, Händler und Priester standen dagegen außerhalb – sie lebten nicht in diesem Haushalt und unterstanden dem Hausherrn nicht.
-
Benenne die wichtigsten Mitglieder der römischen familia.
TippsDie Endung eines Wortes zeigt oft, ob eine männliche oder eine weibliche Person gemeint ist.
Manche lateinischen Wörter klingen ähnlich wie Wörter im Englischen oder Französischen.
LösungPater ist der Vater und mater die Mutter – beide bezeichnen die Eltern und stecken in den Begriffen pater familias und mater familias. Frater und soror sind Bruder und Schwester, also die Kinder des Hauses. Servus bezeichnet einen Sklaven, der im Haus lebte und arbeitete; die weibliche Form dazu lautet serva. Alle fünf Wörter zusammen zeigen, wer für die Römer zur familia zählte.
-
Vergleiche die Erziehung von Jungen und Mädchen im alten Rom.
TippsPrüfe jede Aussage einzeln: Passt sie zu den Jungen, zu den Mädchen oder zu keiner der beiden Gruppen?
Nicht alle römischen Kinder erhielten dieselbe Ausbildung. Entscheidend war, wie reich eine Familie war.
Achte bei den Mädchen besonders auf ihr Alter bei wichtigen Lebensschritten.
LösungRichtig sind drei Aussagen:
Jungen lernten bei einem Lehrer lesen, schreiben und rechnen. Der Unterricht fand oft außerhalb des Hauses bei einem Lehrer statt.
Mädchen lernten vor allem, einen Haushalt zu führen. Ihre Erziehung zielte auf die späteren Aufgaben als Herrin eines Hauses.
In reichen Familien unterrichtete ein gebildeter Sklave die Jungen auch in Griechisch. Griechisch sprach man nur in der Oberschicht – nur wohlhabende Familien konnten sich den Unterricht leisten.
Falsch ist, dass Mädchen erst als Erwachsene heirateten: Viele wurden schon mit zwölf oder 14 Jahren verheiratet. Falsch ist auch, dass alle Kinder gemeinsam eine Schule besuchten – Schulen gab es, aber nicht für alle Kinder. Und Jungen wurden nicht ausschließlich von ihrer Mutter unterrichtet, sondern von einem Lehrer oder einem gebildeten Sklaven.
-
Erkläre, wie weit die Macht des Hausherrn im Alltag reichte.
TippsUnterscheide beim Lesen, was der Hausherr durfte, und was er tatsächlich tat.
Klassische Schulnoten, wie wir sie heute gewohnt sind, gab es in der Antike noch nicht.
LösungDer pater familias stand an der Spitze des Haushalts. Nach altem römischem Recht durfte er über Land und Geld frei verfügen – seine Macht beruhte also auf seiner rechtlichen Stellung und nicht auf persönlichen Beziehungen. Er entschied im äußersten Fall sogar über Leben und Tod eines Familienmitglieds; das war die weiteste Grenze seiner Gewalt. Im Alltag geschah das jedoch fast nie. Meistens sorgte er dafür, dass es der Familie gut ging und die Kinder eine gute Erziehung bekamen.
Die Begriffe Kochstelle und Schulnote passen in keine Lücke.
-
Erschließe, welche Person des Haushalts so gesprochen haben könnte.
TippsJede Aussage verrät, wie viel die Person im Haus entscheiden durfte.
Achte darauf, wer über eigenes Geld verfügte und wer nicht.
Zwei Personen konnten anderen im Haus Anweisungen geben – aber nur eine von ihnen auch außerhalb des Hauses etwas entscheiden.
LösungFelix war früher versklavt und wurde freigelassen; als Freigelassener konnte er für eigenes Geld arbeiten.
Iulia lernte mit zwölf Jahren, einen Haushalt zu führen, und wurde bald verheiratet; das war die typische Erziehung eines Mädchens.
Livia teilte als mater familias die Arbeit im Haus ein und leitete die Sklavinnen an, blieb aber von Wahlen und Ämtern ausgeschlossen – ihr hohes Ansehen endete an der Schwelle zur Politik.
Rufus unterrichtete als gebildeter Sklave die Kinder des Hauses und hatte damit eine bessere Stellung als andere Sklaven – Eigentum des Hausherrn blieb er trotzdem.
Marcus spricht über den Kauf eines Feldes: Als pater familias verfügte er frei über Land und Vermögen der familia und musste niemanden fragen.
-
Ziehe aus der Quelle Schlussfolgerungen zur Hausgewalt über drei Generationen.
TippsDie Reihenfolge folgt einer Kette von Rechtsfolgen: Ein Ereignis löst das nächste aus.
Am Anfang steht die Zeit, in der noch niemand gestorben ist.
Achte auf den Unterschied zwischen Söhnen und Enkeln. Für sie gilt nicht dasselbe.
LösungGroßvater lebt: Als ältester Mann in männlicher Linie hat er die Hausgewalt über Sohn und Enkel; nur er ist pater familias.
Der Großvater stirbt: Nach der Quelle endet die Hausgewalt mit dem Tod des Oberhaupts – das ist also das auslösende Ereignis.
Der Sohn wird selbstständig: Söhne werden in diesem Fall selbstständig. Der Sohn ist damit nun selbst Oberhaupt.
Die Enkel geraten in die Hausgewalt ihres Vaters: Weil ihr Vater lebt und selbstständig geworden ist, fallen sie unter seine Gewalt. Sie bleiben also in familiärer Abhängigkeit.
Erst mit dem Tod dieses Vaters werden die Enkel selbstständig: Die Regel wirkt in jeder Generation neu – Hausgewalt endete immer nur durch den Tod des jeweiligen Oberhaupts.
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