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„Frau Jenny Treibel“ – Personenkonstellation (Fontane)

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Deutsch-Team

„Frau Jenny Treibel“ – Personenkonstellation (Fontane)

lernst du in der Sekundarstufe 5. Klasse - 6. Klasse - 7. Klasse

Beschreibung „Frau Jenny Treibel“ – Personenkonstellation (Fontane)

Das Figurengeflecht in Theodor Fontanes "Frau Jenny Treibel" ist einen zweiten Blick wert: Hier findest du alle Verflechtungen zwischen den einzelnen Personen leicht verständlich erklärt. Du erfährst, wie Jenny Treibel in das Besitzbürgertum aufgestiegen ist, wen sie als Ehefrau für ihren Sohn Leopold bevorzugt und wie sich Besitz- und Bildungsbürgertum gegenüberstehen. Viel Spaß beim Ansehen!

Transkript „Frau Jenny Treibel“ – Personenkonstellation (Fontane)

Theodor Fontane: Frau Jenny Treibel - Personenkonstellation

Die Figuren des Romans "Frau Jenny Treibel" gehören im Wesentlichen dem deutschen Bürgertum im Preußen des 19. Jahrhunderts an. Was versteht man unter “Bürgertum”?

Das Bürgertum ist die höhere Gesellschaftsschicht, die über den einfachen Leuten steht. Sie ist allerdings unter dem Adel angesiedelt. Im Roman spaltet sich dieses Bürgertum in zwei Teile. Da ist zum einen das Besitzbürgertum, vertreten durch die Hauptfigur Jenny Treibel, ihren Mann und ihre Söhne. Die Besitzbürger sind in der Regel reiche Fabrikanten und Industrielle. Andererseits gibt es das Bildungsbürgertum, also die höher Gebildeten unter den Bürgern. An dessen Spitze steht der Gymnasiallehrer Professor Wilibald Schmidt. Weitere Zugehörige sind seine Tochter Corinna und ihr Mann Dr. Marcell Wedderkopp, den sie am Ende des Romans heiratet.

Die Protagonistin Jenny ist Ende 50 und gut aussehend. Ihr Vater hat einen kleinen Materialwarenladen gehabt, also gehörte auch sie zum niederen Stand der einfachen Leute. Durch Heirat mit dem reichen Kommerzienrat Treibel ist sie aber in das Besitzbürgertum aufgestiegen.

Das Werben des damaligen Studenten Wilibald Schmidt hat nicht zur Eheschließung geführt, weil für Jenny der soziale und materielle Aufstieg gezählt hat. Sie setzt den Reichtum ihres Mannes dafür ein, dass ihre Familie glänzend dasteht. Sie besitzt Willensstärke bis hin zur Herrschsucht. Jenny Treibel schwärmt für Poesie, besonders für die, die ihr der junge Schmidt seinerzeit geschrieben hat. Aber ihrem ältesten Sohn Otto hat sie Helene Munk aus Hamburg als passende, reiche, großbürgerliche Frau verschafft. Jenny kann sich also durchsetzen und ist standesbewusst.

Ihr Sohn Leopold, der beeinflussbar und stark unter dem Einfluss seiner Mutter steht, lässt sich von Corinna umgarnen. Corinna wiederum handelt ebenfalls nicht aus Liebe, sondern weil sie aus dem bescheidenen Dasein in einem Professorenhaushalt aufsteigen will. Sie ist intelligent und zielstrebig . Corinna erkennt mit Bitterkeit, dass eine Heirat für sie die einzige Möglichkeit ist, ihr Ziel zu erreichen. Auch sie strebt nach Besitz und sozialem Renommee. Doch Jenny durchkreuzt die Pläne. Es gelingt ihr schließlich, dafür zu sorgen, dass Corinna die Verlobung löst, indem sie ihren Sohn unter Druck setzt und seine Schwägerin als Heiratskandidatin ins Spiel bringt, die sie zuvor noch abgelehnt hatte.

Professor Wilibald Schmidt ist 60 Jahre alt und Lehrer für Griechisch und Deutsch. Er wohnt zusammen mit seiner Tochter und der Haushälterin Schmolke, die Corinna mit ihrem Rat zur Seite steht, in der Adlerstraße. Sein Haus ist im Gegensatz zum Anwesen der Treibels recht heruntergekommen. Er ist nachsichtig mit seinen Mitmenschen. So sieht er es seiner Tochter nach, dass sie sich für Leopold interessiert, obwohl er sie gerne mit seinem Kollegen Marcell verheiraten möchte.

Schmidt ist sehr klug und durchschaut Jennys Verhalten sofort. Im Umgang mit ihr bleibt er flexibel, mit gelegentlichem Hang zu leiser Ironie. Im Gegensatz zu Jenny stellt er sich selbst infrage. Dennoch besitzt auch er Standesdünkel , also eine gewisse Arroganz, die sich aus seiner gesellschaftlichen Stellung und seinem Bildungsgrad ergibt. In seinem Fall handelt es sich also hauptsächlich um Bildungsdünkel. Für ihn das Klassische, das heißt die antike Welt, das Höhere, ebenso die Poesie. Er hält Marcell für den richtigen Mann für seine Tochter, weil dieser Altphilologe ist, wie er selbst: "Das Literarische macht frei." Hier sucht er nichts als sein eigenes Spiegelbild und versagt als Erzieher seiner Tochter.

Corinna ist 25 Jahre alt. Sie ist erstaunlich selbstbewusst und fühlt in sich ein Stück "Emanzipation". Doch zwei Dinge betrüben sie. Erstens sollte ihrer Meinung nach, eine Frau ihres Alters längst verheiratet sein, zweitens langweilt sie das Leben bei ihrem Vater mit seinen "dicken Büchern". Folgerichtig sehnt sie sich nach einem Mann, der sie aus dieser Situation herausholen kann. Sie ist bereit für Neues.

Corinna will den Aufstieg ins Besitzbürgertum, so wie einst Jenny, die ebenfalls vor ihrer Heirat in einfachen Verhältnissen lebte. Aber sie hat ihre Herkunft insofern verdrängt, als dass sie Corinna für den Aufstieg zum Reichtum den Sohn nicht überlassen will. Jenny gehört zur höheren Gesellschaftsschicht und will niemanden hochholen.

Kommerzienrat Treibel führt in dritter Generation eines chemische Fabrik, die den Farbstoff Berliner Blau herstellt. Er ist wohlhabend und angesehen. Er bewohnt ein "modische Villa" mit angrenzendem parkartigen Garten. Er ist ein guter Plauderer und hat dabei noch Witz. Treibel ist ein weltoffener Beobachter und weitgehend vorurteilslos. Er hat "gute Geistes- und Herzensanlagen." Gleichzeitig ist er aber anpassungsfähig. So setzt sich gegen seine Frau nicht durch, obwohl er mit ihren Anordnungen für Leopold nicht einverstanden ist. Auch sonst ist er ein Opportunist, passt sich also an. Er ist ein typischer Bourgeois, was so viel bedeutet wie Besitzbürger. Treibel glaubt, dass die konservative Partei ihn "besser kleidet".

Diese Figuren sind die wesentlichen Figuren des Romans, die das Spannungsfeld zwischen Besitzbürgertum und Bildungsbürgertum darstellen. Am Schluss des Romans bleiben die beiden Teile des Bürgertums bei der Partnerwahl unter sich: Corinna heiratet Marcell und Leopold kommt vermutlich mit seiner Schwägerin Hildegard zusammen.

4 Kommentare

4 Kommentare
  1. 1:15

    ''Ende 50'' bedeutet, dass sie 59 ist und nicht 50...

    Von Bdeurope, vor mehr als 4 Jahren
  2. Hallo Familie Neu,
    vielen Dank für die Anmerkung.
    Da ist unserem Fragenersteller ein Fehler unterlaufen.
    Liebe Grüße,
    Franziska

    Von Franziska G., vor mehr als 6 Jahren
  3. Die Antwort auf die Frage lautet Hildegard Munk. Helene Munk ist die Frau von Leopolds Bruder Otto.

    Von Familie Neu, vor mehr als 6 Jahren
  4. Die letzten 3 Minuten werden ständig die Wörter Frau Jenny Treibel wiederholt.

    Von Roger Edel, vor mehr als 6 Jahren

„Frau Jenny Treibel“ – Personenkonstellation (Fontane) Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video „Frau Jenny Treibel“ – Personenkonstellation (Fontane) kannst du es wiederholen und üben.
  • Erstelle eine Übersicht zu der Zugehörigkeit der Figuren zu Besitzbürgertum oder Bildungsbürgertum.

    Tipps

    Jenny Treibel war in ihrer Jugend einer anderen sozialen Schicht angehörig. Hilft dir das weiter?

    Lösung

    Wichtig ist, dass beide Gruppen zur Schicht des Bürgertums gehören. Diese befindet sich bezüglich finanzieller und politischer Macht zwischen dem Adel und den Arbeiter/-innen und Bauern und Bäuerinnen. Sowohl Besitzbürgertum als auch Bildungsbürgertum können also dennoch beide als relativ wohlhabend bezeichnet werden im Vergleich mit der Arbeiterklasse.

    • Zum Besitzbürgertum gehören in Fontanes Roman „Frau Jenny Treibel”: Die Familie Treibel mit dem Kommerzienrat, Jenny und den Söhnen Leopold und Otto.
    • Als Bildungsbürgertum sind der Lehrer Willibald, seine Tochter Corinna und der Lehrer Marcell zu bezeichnen.
    Jenny Treibel selbst ist aus der Schicht der einfachen Leute durch Heirat aufgestiegen. Corinna möchte innerhalb des Bürgertums in die Schicht des Besitzbürgertums einheiraten, weil ihr Reichtum wichtiger erscheint als die Bildung und der Idealismus, den ihr Vater verkörpert.

  • Bestimme, welche Informationen auf Wilibald zutreffen.

    Tipps

    Wilibald hält Marcell für den richtigen Mann für seine Tochter, weil er Altphilologe ist. Hilft dir das weiter?

    Lösung

    In Theodor Fontanes „Frau Jenny Treibel” ist Wilibald ein Gymnasiallehrer, der dem Bildungsbürgertum angehört und nicht weniger Standesdünkel besitzt als Angehörige des Besitzbürgertums.

    • Er würde seine Tochter Corinna gerne an den Kollegen und Altphilologen Marcell verheiraten. In ihm sieht er den richtigen Partner für seine Tochter.
    • Im Gegensatz zu Jenny Treibel besitzt er die Fähigkeit, sich selbst infrage zu stellen. Außerdem ist er nachsichtig mit seinen Mitmenschen.
    • Im Umgang mit Jenny Treibel neigt Wilibald zu Ironie. Möglicherweise hat Fontane damit eigene Charakterzüge verarbeitet.
    • Wilibald arbeitet als Sprachenlehrer an einem Gymnasium. Das Poetische ist für ihn von großer Bedeutung.
    • Er lebt außerdem mit seiner Tochter Corinna und der Haushälterin Rosalie Schmölke zusammen. Sie ist ein Mutterersatz für Corinna.
    • Wilibald legt großen Wert auf seinen Bildungsgrad. Dieser ist für ihn wichtiger als materieller Reichtum.
  • Vergleiche die beiden wichtigsten Frauenfiguren in „Frau Jenny Treibel”.

    Tipps

    Wilibald ist ein nachsichtiger Mann. Ist Jenny Treibel ihm ähnlich?

    Überlege noch einmal, was Leopolds leere Versprechungen am Ende bewirken.

    Lösung

    • Corinna sieht Reichtum und soziales Ansehen als wichtigste Grundlage einer glücklichen Zukunft. Dafür würde sie auch ohne wahre Gefühle Leopold Treibel heiraten.
    • Jenny Treibel war selbst die Tochter eines einfachen Mannes und stieg mit ihrer Heirat in das Besitzbürgertum auf. Anders als Corinna wurde sie also nicht in die Schicht des Bürgertums hineingeboren.
    • Beide sehen Wohlstand als essentiell für eine glückliche Beziehung an.
    • Beide sind manipulativ und haben klare Absichten in Hinblick auf Männer. Jenny Treibel versucht mit allen Mitteln, ihren Sohn an eine Frau aus dem Besitzbürgertum zu verheiraten.
    • Am Ende setzt Jenny Treibel ihren Willen durch und Corinna heiratet Marcell. Corinna hat eingesehen, dass Leopold sich nicht vom Willen seiner Mutter lösen kann und gibt ihn frei.
    Beide Frauenfiguren zeigen, dass ihnen Wohlstand über wahre Gefühle geht. Corinna handelt allerdings selbstbestimmter und lässt sich am Ende doch auf eine Beziehung mit einem Bildungsbürger ein.

  • Stelle Zusammenhänge zwischen Charaktereigenschaften und Handlungen einzelner Figuren dar.

    Tipps

    Überlege noch einmal, wer die Verlobung auflöst.

    Lösung

    Fontanes „Frau Jenny Treibel” besteht aus einigen sehr unterschiedlichen Figuren:

    • Corinna, Wilibalds Tochter, wurde in das Bildungsbürgertum hineingeboren und ist sehr intelligent. Deshalb erkennt sie auch, dass Leopold seinen Worten keine Taten folgen lassen wird und löst die Verlobung auf. Damit beugt sie einer Enttäuschung vor.
    • Jenny Treibel ist berechnend und durchsetzungsfähig. Schon als junge Frau erreichte sie ihren sozialen Aufstieg. Als herrschsüchtige Mutter verheiratet sie ihren Sohn Otto mit Helene Munk aus Hamburg, da sie denkt, dass diese die richtige Partnerin für ihn ist. Gleiches hat sie mit Leopold vor.
    • Wilibald, der Gymnasiallehrer, ist nachsichtig. Deshalb nimmt er es seiner Tochter nicht übel, dass sie nicht Marcell, sondern Leopold heiraten will. Am Ende ist er jedoch glücklich über den Ausgang des Geschehens. Er unterrichtet auch gerne an seinem Gymnasium, allerdings hat dies nichts mit seiner Nachsichtigkeit zu tun.
    • Der Kommerzienrat ist ein ruhiger Beobachter, der seine Frau machen lässt, was sie für richtig hält. Er bewegt sich eher im Hintergrund, um Konflikten aus dem Weg zu gehen.
    • Leopold ist beeinflussbar und schafft es deshalb nicht, sich gegen seine Mutter durchzusetzen. Seine Pläne, mit Corinna nach Schottland zu fliehen, setzt er nicht in die Tat um.
  • Definiere den Begriff Bürgertum.

    Tipps

    Überlege noch einmal, welches Wilibalds wichtigste Tugend ist.

    Wofür entschied sich Jenny Treibel als sie den Kommerzienrat heiratete?

    Lösung

    Das Bürgertum wurde in der Zeit der Aufklärung zusehends stärker. Viele der Rechte, die das Bürgertum erkämpfte, sind heute Menschenrechte. Zur Zeit Theodor Fontanes war unter Bürgertum noch etwas anderes zu verstehen als heute.

    • Das Bürgertum war von seiner Macht unterhalb des Adels und oberhalb des einfachen Volks angesiedelt. Das einfache Volk waren zum Beispiel Bauern und Bäuerinnen oder Menschen aus dem Handwerk.
    • Das Bürgertum kann man in zwei Untergruppen aufspalten: Das Besitzbürgertum, dem Jenny Treibel angehört, und das Bildungsbürgertum, dem Wilibald angehört.
    • Das Besitzbürgertum besteht meist aus reichen Fabrikant/-innen oder Industriellen.
    • Das Bildungsbürgertum besteht aus höher Gebildeten.
    Heutzutage lässt sich die Gesellschaft nicht mehr so klar in Schichten aufteilen. Oft wird die obere Mittelschicht als Bürgertum bezeichnet. Es ist aber schwer zu definieren, wann jemand einer bestimmten Schicht zugehörig ist.

  • Arbeite die Einstellung Marcells gegenüber Corinnas Plänen heraus.

    Tipps

    Anfangs hat Marcell gezögert, Corinna einen Heiratsantrag zu machen. Ist er wirklich nur eifersüchtig?

    Lösung

    In dem Abschnitt kann man gut erkennen, was Marcell über Leopold Treibel denkt.

    • Er hat eine ähnliche Einstellung wie Wilibald. Er sieht im Besitzbürgertum nichts als Reichtum. Deshalb denkt er, dass eine intelligente Frau wie Corinna sich an der Seite Leopolds langweilen würde. Er denkt, Leopold „kann vielleicht einen Dürer'schen Stich von einem Ruppiner Bilderbogen unterscheiden, aber Du würdest Dich tot langweilen an seiner Seite”. Man kann vermuten, dass er meint, dass Corinna sich an seiner Seite nicht langweilen würde, aber das ist nicht klar erkennbar.
    • Außerdem kritisiert er Corinnas Absichten und das Fehlen wahrer Gefühle. Er kann nicht nachvollziehen, warum Corinna ihr „eigentliches Lebensglück” mit Leopold zerstören wollen würde. Er sieht viel Potential in Corinna, das bei der Heirat mit Leopold verloren ginge. Andeutungsweise stellt er sogar die These auf, dass sie intelligenter ist als ihr Vater.
    Marcell sieht in Leopold keinesfalls nur Schlechtes. Mit „Ein sehr guter Mensch, das muß ich zugeben, hat ein gutes, weiches Herz, nichts von dem Kiesel, den die Geldleute sonst hier links haben” wird klar, dass er in ihm einen besseren Menschen sieht als in anderen Besitzbürgern. Trotzdem kritisiert er Corinnas Pläne.

    Quelle: Fontane, Theodor (1892): Frau Jenny Treibel. URL: https://www.projekt-gutenberg.org/fontane/treibel/treib011.html [abgerufen am 02.06.2020].

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