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Gerhart Hauptmann – Leben und Werk 05:32 min

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Transkript Gerhart Hauptmann – Leben und Werk

Arme Weber in einem schlesischen Dorf, die kurz vor dem Hungertod stehen. Alkoholismus und Gewalt in der eigenen Familie. All diese Missstände behandelt Gerhart Hauptmann vor allem in seinen bekannten naturalistischen Dramen. Hauptmann wurde zu einem der berühmtesten deutschen Theaterautoren. Wie und wodurch kannst du an seinem Lebensweg beobachten.

Gerhart Hauptmann wurde im Jahr 1862 in Schlesien geboren. Dort betrieben seine Eltern ein Hotel auf dem Land. Hauptmann genoss nur eine dürftige Schulbildung. Er besuchte die Kunsthochschule in Breslau, um Bildhauer zu werden. Außerdem versuchte er sich an der Dresdner Akademie als Zeichner.

In Jena studierte er Philosophie und Literaturgeschichte, später in Berlin auch Geschichte. Hier fand Hauptmann schließlich Anschluss an literarische Kreise. Er lernte Wilhelm Bölsche kennen und stand in Verbindung mit dem naturalistischen Literaturverein „Durch“. Damit gehörte er einer Gruppierung junger Intellektueller an, die Sympathien für die unterdrückte Bewegung der Sozialdemokratie hegten.

Gerhart Hauptmann & der Naturalismus

Der Begriff des „Naturalismus“ wurde von Emile Zola geprägt. Diese Avantgardebewegung wurde in Deutschland von antiautoritär eingestellten bürgerlichen Autoren getragen. Dazu gehörten unter anderem Arno Holz und Johannes Schlaf. Sie kombinierten die Sympathie für die Unterdrückten der Gesellschaft mit den modernsten naturwissenschaftlichen Erkenntnissen.

Naturalistische Darstellungen zeigen den industriellen oder bäuerlichen Alltag als Lebenswirklichkeit ihrer Helden. Diese Merkmale treffen auch auf bedeutende naturalistische Dramen Hauptmanns zu.

Zwischen 1889 und 1893 begründete Hauptmann als Naturalist seinen literarischen Ruhm. Er verfasste die Dramen „Vor Sonnenaufgang“, „Einsame Menschen“, „Die Weber“ und „Der Biberpelz“. Zum Erfolg der Stücke verhalfen wohlgesonnene Kritiker, Verleger und Theaterdirektoren. Hauptmanns Dramen wurden neben Boulevardkomödien und Historienstücken der Gründerzeit gespielt, denen Dekorationen wichtiger waren als Inhalte.

Ab 1900 darf Hauptmann als einer der erfolgreichsten deutschen Theaterdichter gelten: Er verdiente durch Gewinnbeteiligungen. Durch seine Frau Marie Thienemann war er abgesichert. Somit konnte er sich einen großbürgerlichen Lebensstil mit Wohnsitzen in Schlesien, Berlin und auf Hiddensee leisten.

1912 erhielt er den Nobelpreis für Literatur. Hauptmann war vorrangig für seine Dramatik bekannt. Er verfasste aber auch Lyrik, Versepik und Prosa. Noch vor späteren Dramen entstand 1888 die Novelle „Bahnwärter Thiel“. Sie ist noch heute eines der bekanntesten Werke Hauptmanns.

Gerhart Hauptmann & die Politik

Hauptmann war mehrfach von der wilhelminisch-kaiserlichen Rechtsprechung angeklagt worden. Etliche soziale und politische Gruppierungen sahen in ihm einen Repräsentanten ihrer Ideen.

Den Ersten Weltkrieg hatte der Autor zunächst begrüßt. 1918 aber solidarisierte er sich mit der neuen Republik. Hauptmann sah sich in erster Linie als „deutscher Dichter in Deutschland“. Darüber sollten seine wirkungsvollen frühen Stücke nicht hinwegtäuschen. Er wollte nicht ausschließlich auf seine frühe naturalistische Phase reduziert werden, denn er wandte sich in späteren Jahren auch anderen Stoffen zu. Hauptmann sagte von sich, dass er sich nie einer Regierung widersetzen und sich nicht in Tagespolitik einmischen wolle.

Hitlers „Mein Kampf“ hatte Hauptmann einer eingehenden Lektüre unterzogen. Deshalb verhielt sich der Autor den Nationalsozialisten gegenüber angepasst und distanziert zugleich. Seine jüngeren Werke wirkten politisch neutral. Hauptmann war in seinem Heimatland und sogar in den Vereinigten Staaten als Repräsentant der deutschen Literatur hoch geehrt.

1946 starb Hauptmann in Agnetendorf in Schlesien. Er wurde auf Hiddensee beigesetzt.

Zusammenfassung

Gerhart Hauptmann war ein produktiver und vielseitiger Autor. Insbesondere durch seine Dramen wurde er zum Repräsentanten des Naturalismus. Dies ermöglichten zeitgenössische Befürworter, die Hauptmanns Weg zum Theater finanziell und ideell ebneten. “Die Weber” gilt noch heute als eines der bedeutendsten Werke dieser Epoche.

1 Kommentar
  1. Richtig gut!

    Von J.L., vor fast 4 Jahren

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Gerhart Hauptmann – Leben und Werk Übung

Du möchtest dein gelerntes Wissen anwenden? Mit den Aufgaben zum Video Gerhart Hauptmann – Leben und Werk kannst du es wiederholen und üben.

  • Schildere, welche Themen Gerhart Hauptmann in seinen Dramen verarbeitet.

    Tipps

    Hauptmann schrieb sein Drama „Die Weber“ 1892 und nahm das historische Ereignis des Schlesischen Weberaufstandes 1844 zur Vorlage. Er beschreibt das Schicksal einer Gruppe schlesischer Weber, die aufgrund ihres sehr geringen Einkommens, der Bedrohung ihrer Arbeitsplätze und einer Hungersnot zum Aufstand aufrufen.

    Lösung

    Die Probleme wie Armut, übermäßiger Gebrauch von Alkohol und Gewalt lernte Gerhart Hauptmann während seiner Jugend in Schlesien in seiner eigenen Familie kennen, die keineswegs eine reiche war. Dabei ging es nicht nur um die engste Familie, sondern um die Menschen, mit denen er sehr verbunden war.

  • Skizziere Gerhart Hauptmanns Lebensweg, bevor er nach Berlin kam.

    Tipps

    Der Schriftsteller legte einen längeren Weg zurück, ehe er zu schreiben begann. Vorher sammelte er zunächst Erfahrungen in den bildenden Künsten.

    Lösung
    1. Gerhart Hauptmann wird 1862 in Schlesien geboren; seine Eltern betreiben ein Hotel auf dem Lande.
    2. Die schulische und universitäre Ausbildung scheint ihm nicht zu liegen. Nachdem er im Frühjahr 1878 die Realschule verlässt, führt ihn sein erster Weg an die Kunsthochschule nach Breslau, wo er sich als Bildhauer versucht. Nach zwei Jahren bricht er die Ausbildung ohne Abschluss ab und zieht nach Jena, wo er sich der Philosophie und Literaturgeschichte widmet. Auch dieses bricht er wenige Zeit später ab und versucht sich nochmals in den bildenden Künsten: als Zeichner an der Königlichen Akademie Dresden.
    3. Inzwischen hat Hauptmann eine wohlhabende Frau, Marie Thienemann, kennengelernt, die er heiratet. Damit ist sein Lebensunterhalt gesichert.
    4. Mit ihr zieht Hauptmann nach Berlin, wo er zunächst ein Studium der Geschichte aufnimmt, es jedoch abermals abbricht.
    5. Berlin ist aber nicht nur ein neuer Studienort, sondern hier trifft Hauptmann auch auf die literarische Interessengemeinschaft „Durch“, in der auch Wilhelm Bölsche tätig ist. Gerhart Hauptmanns naturalistische Neigung und sein soziales Interesse werden hier weiterentwickelt und gestärkt. Er beginnt mit seinen ersten naturalistischen Dramen.
  • Entscheide, welche Aussagen zu Hauptmanns Leben und Wirken richtig sind.

    Tipps

    Die Haltung dieses Autors änderte sich im Laufe seines Lebens; das Elend beschäftigte ihn zeitlebens, da er es selbst erlebt hatte. Allerdings kam er über schriftstellerische Aktivitäten nicht hinaus.

    Lösung
    1. Das Schicksal der armen Menschen um ihn herum beschäftigte Hauptmann so stark, dass er es in seinen Werken verarbeitete. Deshalb interessierte er sich sehr für die stärker werdende Bewegung der Sozialdemokratie.
    2. Nach den anfänglichen Schwierigkeiten meinte es das Leben recht gut mit ihm, er heiratete eine Kaufmannstochter, die sein Leben für die Zukunft absicherte. Dazu kam, dass er eine Gewinnbeteiligung erhielt, die ihm ein großbürgerliches Leben an drei festen Standorten sicherte.
    3. Trotz allem kam er immer wieder mit der Obrigkeit, vor allem mit der kaiserlichen Regierung in Schwierigkeiten, die ihm z. B. den Schillerpreis verweigerte.
    4. Politisch kann man ihn sicherlich nicht eindeutig zuordnen. Das zeigt sich einmal daran, dass er den Ausbruch des 1. Weltkrieges bejubelte. Als der Kaiser aber dann abdanken musste und die Republik ausgerufen wurde, wendete er sich dieser neuen Regierungsform zu.
    5. Ob er nur insgesamt vorsichtiger wurde oder sich nicht entscheiden konnte, bleibt offen; er äußerte allerdings, dass er sich nie mit einer Regierung streiten und auf gar keinen Fall in die Tagespolitik eingreifen mochte.
    6. Den Höhepunkt an Zurückhaltung kann man im Dritten Reich sehen; obwohl er Hitlers Schriften intensiv studierte, verhielt er sich einerseits angepasst, aber auch distanziert.
  • Untersuche das Gedicht auf Merkmale des Naturalismus.

    Tipps

    Arno Holz macht sich in seinem Gedicht lustig über die idealisierende Tradition der Klassik. Das bezeugt nicht zuletzt die Verklärung des genialen Musensohns.

    Lösung

    • Mietskaserne und Fabrik in unmittelbarer Nähe bedeutet, dass man arm ist, weil man in der Nähe seines Arbeitsplatzes leben und allen Lärm und Schmutz aushalten muss. Dazu kommt, dass es für alle auch nur mangelhafte Hygiene gibt, da die Ratten sich das Haus mit ihnen teilen. Alle Probleme der Menschen um das Ende des 19. Jahrhunderts sind hier gebündelt aufgenommen.
    • Dass diese Behausung bis zu den Sternen reicht, verdankt sie dem Poeten. Er wohnt in diesem Hause, lässt sich von Armut und Not nicht abhalten, denn er ist von der Muse geküsst. Das Elend, das in seinem kleinen Zimmerchen vorherrscht, nimmt er gar nicht wahr. Nichts kann ihn hindern, seine Verse zu schreiben. Er nimmt eine Außenseiterrolle in dem Haus der Arbeiter ein und ist daher so verlassen wie Jesus' von Nazareth vor dessen Kreuzigung.
    • Den Naturalisten wie Arno Holz und Gerhart Hauptmann geht es um Realitätsnähe, um Beschreibung dessen, was sie um sich herum wahrnehmen können.
    Quelle: Arno Holz (1886): Ihr Dach stieß fast bis an die Sterne. In: Phantasus. URL: https://www.keinverlag.de/texte.php?text=351407 [abgerufen am 14.08.2015].

  • Gib an, welche große Auszeichnung Hauptmann 1912 für sein Werk erhalten hat.

    Tipps

    Künstler/-innen können für ihr Werk oder für ihr Engagement sehr viele unterschiedliche Auszeichnungen erhalten. Einer der wichtigsten in Deutschland ist z. B. der Georg Büchner Preis. Noch entscheidender ist aber ein internationaler Preis, den zahlreiche deutsche Schriftsteller/-innen erhalten haben. Das Komitee, das diesen Preis verleiht, entscheidet auch über die Vergabe in zahlreichen anderen Bereichen, z. B. in der Medizin oder für besondere Anstrengungen für den Erhalt des Friedens.

    Lösung

    Gerhart Hauptmann erhielt am 15. November 1912 den Literaturnobelpreis für sein besonders fruchtbares und vielseitiges Werk im Bereich der Dramen.

    • Davor hatte Hauptmann bereits einige wichtige Auszeichnungen erhalten, z. B. 1896 den Grillparzerpreis, benannt nach einem bekannten österreichischen Schriftsteller, den er danach noch zweimal erhielt.
    • Bereits im Jahre 1905 erhielt Hauptmann die Ehrendoktorwürde von Oxford. Der deutsche Kaiser verweigerte ihm den Schillerpreis, weil er sich im Kaiserreich nicht opportun verhalten hatte.
    • Am 15. November 1912 wurde Gerhart Hauptmann die Ehre zuteil, den Literaturnobelpreis zu erhalten.
    • Im Jahre 1924 wurde er in den Orden Pour le Mérite aufgenommen, was nur wenige Menschen schaffen.
    • Die Ehrendoktorwürde der Columbia Univerity in New York und der Goethepreis der Stadt Frankfurt wurden ihm im August 1932 verliehen. Und das sind längst nicht alle Auszeichnungen, die dieser Literat erhielt.
    Wie man sieht, war Gerhart Hauptmann ein sehr berühmter Schriftsteller dieser Zeit, einer der heute noch bekannten Autoren des Naturalismus.

  • Bestimme die passenden Titel von Gerhart Hauptmanns Werken.

    Tipps

    In allen hier aufgelisteten Werken Gerhart Hauptmanns geht es vorrangig um die sozialen Probleme seiner Zeit. Nur in einem Text bezieht er konkret die Technik mit ein, was man schon im Titel erkennen kann. Hier geht es darum, dass die Industrialisierung auch unmittelbar in das Leben der Menschen eingreift.

    Lösung

    Die Dramen „Vor Sonnenaufgang“ (1888/1889), „Die Weber“ (1892), „Fuhrmann Henschel“ (1897/98), „Rose Bernd“ (1903) und „Die Ratten“ (1909/1910) zählen zu den bekanntesten und am häufigsten gespielten Theaterstücken von Gerhart Hauptmann. Thematisch lässt sich die Novelle „Bahnwärter Thiel“, die zu seinen früheren Werken zählt, in diese Gruppe einordnen. Immer geht es um soziale Fragen, um menschenunwürdiges Leben, dem die Menschen in der Folge der Industrialisierung oder der Tradition ausgesetzt sind.

    • „Vor Sonnenaufgang“ beschäftigt sich zunächst vordergründig mit dem Schicksal der Bergarbeiter in Schlesien; dabei wird aber nicht nur ihr Schicksal thematisiert, es zeigt sich auch, wie einige wenige - hier der Ingenieur - zu Lasten der Arbeiter profitieren. Auch die private Misere wird in der Frauenfigur problematisiert.
    • Dass das Drama „Die Weber“ sich mit dem Schicksal der Weber beschäftigt, ist naheliegend. Hauptmann benutzt hier die historischen Weberaufstände in Schlesien 1844 als Vorbild.
    • Im ebenfalls mundartlich verfassten Theaterstück „Fuhrmann Henschel“ zeigt sich Tradition und Einbruch des Neuen auf einem Gutshof. Allen Ratschlägen zum Trotz heiratet Henschel die Magd. Das führt dazu, dass diese - eigentlich nicht Standesgemäße, die von Traditionen nichts hält - Herrschaft über den Hof und das Leben der Menschen dort erhält. Überlieferung ist nicht mehr das Maß aller Dinge, das Neue drängt in den Mittelpunkt.
    • Das Schicksal des jungen Mädchens Rose Bernd , das zwischen Tradition und Moderne hin und her gerissen wird, thematisiert Hauptmann in dem Drama „Rose Bernd“. Der Vater als Vertreter der Tradition hat einen biederen und kirchentreuen Mann für seine Tochter ausgesucht, der der Sinn aber nicht nach dieser Heirat steht. Stattdessen lässt sie sich mit dem Gutsbesitzer ein, wohl wissend, dass dieses Verhalten nur Probleme mit sich bringen wird. Dieses Geheimnis bleibt nicht unentdeckt und so sieht sich Rose dem Druck eines weiteren Mannes ausgesetzt. Die Katastrophe ist unabwendbar, als Rose feststellt, dass sie ein uneheliches Kind erwartet. Es bleibt nur Mord und letztlich Selbstmord, denn für ein unverheiratetes Mädchen mit einem unehelichen Kind ist in dieser Gesellschaft kein Platz.
    • In einer Berliner Mietskaserne leben „Die Ratten“ ein unwürdiges, erbärmliches Leben mit Lug und Betrug, mit Kindeshandel und Täuschung, mit Mord und Selbstmord. Wenn man kein eigenes Kind bekommen kann, kann man ja eines kaufen; dass das auf lange Sicht gesehen, nicht gut gehen kann, ist zu erwarten. Hier geht es zwar auch um das soziale Verhalten, aber es zeigt sich, dass alle, die in dieser Handlung von Bedeutung sind, wie die Ratten handeln.
    • Neu ist in dieser Novelle, die schon 1887 geschrieben wurde, dass das Problem der Technik Eingang findet. Diese Entwicklung erleichtert das Leben der Menschen nur scheinbar, mehrheitlich ist bei den einfachen Leuten die Angst vor den Ungetümen - wie der Eisenbahn - vorherrschend. So besiegt schließlich die Eisenbahn auch die Bemühungen des „Bahnwärter Thiel“, der auch im Leben die falsche Entscheidung getroffen hat und dessen Dasein letztlich im Wahn versinkt.